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GDL zur DB-Halbjahresbilanz

10.08.26 (Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn hat nicht nur bei Politik und Wirtschaft, sondern auch bei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Aufmerksamkeit ausgelöst. Während der bundeseigene Konzern die Rückkehr in die Gewinnzone als wichtigen Meilenstein seines laufenden Transformationsprogramms wertet, richtet die Gewerkschaft den Blick auf einen anderen Aspekt. Nach ihrer Auffassung entscheidet sich die Zukunft der Deutschen Bahn nicht in erster Linie an der Bilanz, sondern an der Frage, ob ausreichend qualifizierte Mitarbeiter gewonnen und dauerhaft an das Unternehmen gebunden werden können.

Die Deutsche Bahn hatte für das erste Halbjahr 2026 erstmals seit 2019 wieder einen Gewinn nach Steuern ausgewiesen. Unter dem Strich verblieb ein Überschuss von 147 Millionen Euro. Gleichzeitig verbesserte sich das operative Ergebnis deutlich. Als Gründe nennt der Konzern unter anderem ein konsequentes Effizienzprogramm, geringere Verwaltungskosten, organisatorische Veränderungen sowie eine insgesamt bessere Geschäftsentwicklung. Zugleich verweist die DB auf hohe Investitionen in die Infrastruktur, steigende Fahrgastzahlen und Fortschritte bei der Modernisierung des Unternehmens.

Die GDL erkennt die Rückkehr in die schwarzen Zahlen grundsätzlich an, bewertet das Ergebnis jedoch zurückhaltender. Nach ihrer Einschätzung profitiert die Deutsche Bahn derzeit gleichzeitig von mehreren positiven Entwicklungen. Dazu zählen steigende Fahrgastzahlen im Personenverkehr, umfangreiche Bundesmittel für die Infrastruktur, Kostensenkungen im Konzern sowie Erlöse aus Unternehmensverkäufen. Vor diesem Hintergrund sieht die Gewerkschaft das wirtschaftliche Potenzial des Unternehmens noch nicht ausgeschöpft und hält ein deutlich höheres Ergebnis für erreichbar.

Im Mittelpunkt der Stellungnahme steht jedoch nicht die Höhe des Gewinns, sondern die Personalpolitik. Nach Auffassung der GDL ist sie die entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Deutsche Bahn ihre wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Ziele erreichen kann. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass ein wachsender Schienenverkehr zwangsläufig auch mehr Personal erfordert. Mehr Züge und dichtere Fahrpläne bedeuteten einen höheren Bedarf an Lokführern, Zugbegleitern, Disponenten, Werkstattmitarbeitern und weiteren Fachkräften. Ohne ausreichend Beschäftigte lasse sich weder die Qualität des Angebots verbessern noch das politisch angestrebte Wachstum der Eisenbahn verwirklichen.

Damit greift die GDL ein Thema auf, das die gesamte Branche beschäftigt. Zahlreiche Eisenbahnverkehrsunternehmen berichten seit Jahren über Schwierigkeiten bei der Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter. Besonders Triebfahrzeugführer, Werkstattpersonal und Beschäftigte in Leitstellen gelten als schwer zu besetzende Berufsgruppen. Gleichzeitig erreichen viele erfahrene Mitarbeiter in den kommenden Jahren das Rentenalter. Der Ersatz dieser Beschäftigten und der zusätzliche Personalbedarf gelten als eine der größten Herausforderungen für den Schienenverkehr.

Nach Ansicht der Gewerkschaft dürfen wirtschaftliche Verbesserungen deshalb nicht in erster Linie über Einsparungen oder Personalabbau erreicht werden. Die Deutsche Bahn verweist zwar darauf, dass sich der Stellenabbau vor allem auf Verwaltung und Konzernstrukturen konzentriert. Die GDL fordert jedoch, den operativen Bahnbetrieb personell nachhaltig zu stärken. Dort entscheide sich letztlich, ob Züge pünktlich verkehren und das Angebot zuverlässig erbracht werden könne.

Die Deutsche Bahn betont ihrerseits, trotz des Konzernumbaus weiter in Personal zu investieren. Nach Unternehmensangaben werden auch 2026 wieder zahlreiche neue Mitarbeiter eingestellt und zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen. Damit sollen altersbedingte Abgänge ausgeglichen und der künftige Personalbedarf gedeckt werden. Gleichzeitig verweist der Konzern auf umfangreiche Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge, die den Bahnbetrieb langfristig leistungsfähiger machen sollen.

Die GDL sieht darin zwar notwendige Schritte, hält sie jedoch für nicht ausreichend. Aus ihrer Sicht muss sich der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens langfristig auch in einer stabilen Personalentwicklung widerspiegeln. Nur wenn genügend qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung stehen, könne die Deutsche Bahn die steigende Nachfrage bewältigen und die Qualität des Schienenverkehrs dauerhaft verbessern. Eine Eisenbahn ist letztlich nur so gut wie die Menschen, die Tag für Tag ihren Betrieb ermöglichen.

Siehe auch: Das Personal ist eine Schlüsselressource

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