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Das Personal ist eine Schlüsselressource

10.08.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Wenn über die Zukunft der Eisenbahn gesprochen wird, geht es häufig um Milliardeninvestitionen in Strecken, Bahnhöfe oder neue Fahrzeuge. All das ist notwendig. Doch die wichtigste Ressource lässt sich weder bestellen noch kurzfristig beschaffen: gute Mitarbeiter.

Die aktuelle Debatte um die Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn zeigt das einmal mehr. Schwarze Zahlen sind wichtig. Ein Unternehmen, das dauerhaft Verluste schreibt, kann weder investieren noch seine Zukunft sichern. Wirtschaftliche Stabilität ist deshalb kein Selbstzweck, sondern eine Voraussetzung für einen leistungsfähigen Schienenverkehr. Gleichzeitig darf sich der Blick auf den Erfolg eines Eisenbahnunternehmens nicht allein auf Bilanzkennzahlen richten.

Denn Züge fahren nicht von selbst. Hinter jedem Zug stehen Lokführer, Zugbegleiter, Disponenten, Fahrdienstleiter, Werkstattmitarbeiter und viele weitere Beschäftigte, ohne die kein Fahrplan umgesetzt werden kann. Gerade weil die Politik mehr Verkehr auf die Schiene bringen will, wird der Bedarf an qualifiziertem Personal weiter steigen.

Deshalb reicht es nicht, jedes Jahr neue Einstellungsrekorde zu verkünden. Entscheidend ist ebenso, wie viele Mitarbeiter dem Unternehmen langfristig erhalten bleiben. Wer aufwendig ausbildet oder neue Beschäftigte gewinnt, sie aber nach wenigen Jahren wieder verliert, löst den Fachkräftemangel nicht. Im Gegenteil: Jede Kündigung kostet Geld, bindet Kapazitäten und führt dazu, dass wertvolles Wissen verloren geht.

Eine niedrige Fluktuation ist deshalb kein weicher Faktor, sondern ein wirtschaftlicher Vorteil. Mitarbeiter, die bleiben, kennen ihre Fahrzeuge, ihre Strecken und ihre betrieblichen Abläufe. Sie müssen nicht neu eingearbeitet werden und tragen zur Stabilität des Betriebs bei. Personalbindung ist damit mindestens ebenso wichtig wie Personalgewinnung.

Die Gründe, warum Beschäftigte einem Unternehmen treu bleiben, sind vielfältig. Das Gehalt spielt selbstverständlich eine Rolle. Ebenso wichtig sind jedoch verlässliche Dienstpläne, planbare Freizeit, moderne Arbeitsplätze, Entwicklungsmöglichkeiten und eine Unternehmenskultur, die Leistung anerkennt. Wer sich respektiert fühlt und Beruf sowie Privatleben miteinander vereinbaren kann, wechselt seltener den Arbeitgeber.

Die Deutsche Bahn investiert Milliarden in Infrastruktur und Fahrzeuge. Das ist richtig und notwendig. Ebenso konsequent muss sie jedoch in ihre Mitarbeiter investieren. Denn neue Gleise oder moderne Züge entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn genügend qualifizierte Menschen vorhanden sind, die sie planen, warten und betreiben.

Die Zukunft der Eisenbahn entscheidet sich deshalb nicht allein in Vorstandsetagen oder an den Finanzmärkten. Sie entscheidet sich jeden Tag dort, wo Menschen den Bahnbetrieb organisieren und durchführen. Wer den Schienenverkehr stärken will, muss deshalb nicht nur neue Mitarbeiter gewinnen, sondern vor allem dafür sorgen, dass sie auch bleiben. Genau darin dürfte eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben der gesamten Eisenbahn- und ÖPNV-Branche liegen.

Siehe auch: GDL zur DB-Halbjahresbilanz
Foto: Deutsche Bahn AG / Florian Gaertner

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