Es tut sich was
27.07.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Sie ziehen es also tatsächlich durch: Es werden Hochgeschwindigkeitszüge bestellt, die den heutigen ICE-Fahrzeugen ähneln, in Ferrari-Rot lackiert sind und deren Instandhaltung Siemens am Standort Dortmund übernimmt.
Gerade das hat eine gewisse Ironie. Denn ausgerechnet jene Stimmen, die heute den Markteintritt von Italo kritisch begleiten, waren vor zwölf oder 15 Jahren auch entschiedene Gegner der Herstellerwartung. Damals warnten sie vor einem Wirrwarr an Zuständigkeiten, langwierigen Rechtsstreitigkeiten und Fahrzeugen, die monatelang zu Beweiszwecken in Werkstätten stehen würden.
Heute zeigt sich ein anderes Bild. Die Hersteller warten ihre Fahrzeuge erfolgreich selbst – und entwickeln sie oft gleich so, dass sie sich einfacher instand halten lassen. Die befürchteten Probleme sind ausgeblieben.
Nun folgt der nächste Schritt hin zu mehr Wettbewerb im Eisenbahnverkehr – und erneut kommen die Einwände aus derselben Richtung. Was die Deutsche Bahn selbst nicht öffentlich ausspricht, übernimmt diesmal die ihr nahestehende EVG.
Dabei hat Mofair einen berechtigten Punkt. Auch die Deutsche Bahn hat ihr Fernverkehrsangebot in den vergangenen Jahren immer wieder ausgeweitet. Dass dadurch Konflikte mit dem Regionalverkehr entstanden sind, wurde selten öffentlich diskutiert. Ebenso lohnt sich die Frage, wie häufig vertaktete Regionalzüge auf stark belasteten Strecken hinter einzelnen ICE-Sprintern zurückstehen müssen.
Besonders spannend wird der Blick auf die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main. Sie wurde für den ICE 3 entwickelt, und der ICE 3 wiederum speziell für diese Strecke. Über viele Jahre galt sie als Prestigeprojekt des deutschen Hochgeschwindigkeitsverkehrs und blieb faktisch ausschließlich dem Fernverkehr der Deutschen Bahn vorbehalten.
Sollte Italo dort tatsächlich als erstes konzernexternes Eisenbahnverkehrsunternehmen verkehren, wäre das eine Zäsur. Denn bislang ist es der Deutschen Bahn gelungen, auf dieser Strecke jeden Wettbewerber fernzuhalten.
Im Fernverkehr hat es zwar immer wieder neue Anbieter gegeben. Die meisten verschwanden jedoch nach kurzer Zeit wieder vom Markt. Flixtrain hat sich zwar etabliert, spricht aber überwiegend ein anderes Marktsegment an und konkurriert nur begrenzt mit dem klassischen ICE-Angebot.
Mit Italo könnte sich das ändern. Deshalb ist der Hinweis des VCD nachvollziehbar, dass bei mehreren eigenwirtschaftlichen Fernverkehrsanbietern auch die Fahrgastrechte weiterentwickelt werden müssen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.
Fest steht jedoch: Auf der Schiene kommt Bewegung in den Wettbewerb. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass Wettbewerb häufig Innovationen angestoßen und das Angebot verbessert hat. Entscheidend wird sein, dass davon am Ende vor allem die Fahrgäste profitieren.
Siehe auch: Mofair zum Italo-Markteintritt
Foto: Hoff1980
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