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Ernsthafte Verbesserungen vorantreiben

30.07.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Deutsche Bahn zieht die Reißleine und verbietet den Alkoholkonsum an ihren Bahnhöfen. Nach den jüngsten Gewalttaten gegen Mitarbeiter ist das ein nachvollziehbarer Schritt. Wer sich an einem Bahnhof betrinkt, trägt selten zu einer angenehmen Atmosphäre bei. Wo Alkohol im Spiel ist, eskalieren Konflikte häufiger. Insofern ist das Verbot ein sinnvolles Signal. Mehr aber zunächst auch nicht.

Denn das eigentliche Problem beginnt dort, wo aus Respektlosigkeit Gewalt wird. Wer einen Zugbegleiter, einen Sicherheitsmitarbeiter oder einen Servicemitarbeiter angreift, tut das nicht allein wegen des Alkohols. Alkohol kann Hemmschwellen senken, doch verantwortlich bleibt immer der Täter. Wer jetzt den Eindruck erweckt, mit einem Alkoholverbot sei das Sicherheitsproblem gelöst, greift zu kurz.

Die vorliegenden Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während die Gesamtzahl der Straftaten an Bahnhöfen zuletzt sogar zurückgegangen ist, nehmen Angriffe auf Bahnbeschäftigte zu. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung. Menschen, die Fahrkarten kontrollieren, Auskünfte geben oder für Sicherheit sorgen, dürfen nicht damit rechnen müssen, beschimpft, bespuckt oder sogar körperlich angegriffen zu werden. Dass dies inzwischen vielerorts zum Berufsalltag gehört, ist ein alarmierendes Signal.

Deshalb haben Allianz pro Schiene und Verband Deutscher Verkehrsunternehmen recht, wenn sie das Alkoholverbot zwar begrüßen, zugleich aber weitere Maßnahmen fordern. Mehr Personal, eine enge Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsbehörden sowie ein besserer gesetzlicher Schutz für Bahnbeschäftigte sind keine überzogenen Wünsche, sondern notwendige Voraussetzungen für einen sicheren öffentlichen Verkehr.

Vor allem braucht es ausreichend Mitarbeiter vor Ort. Ein Verbot, das niemand kontrolliert, bleibt ein Stück Papier. Wer Alkohol am Bahnhof konsumiert und weiß, dass niemand einschreiten wird, dürfte sich von einem Schild kaum beeindrucken lassen. Sicherheit entsteht nicht durch neue Hausordnungen, sondern durch sichtbare Präsenz und konsequentes Handeln.

Ebenso wichtig ist die gesellschaftliche Dimension. Mitarbeiter im öffentlichen Verkehr erfüllen eine Aufgabe, auf die Millionen Menschen täglich angewiesen sind. Sie sorgen dafür, dass Pendler zur Arbeit kommen, Schüler die Schule erreichen und Reisende ihr Ziel erreichen. Wer diese Menschen angreift, greift letztlich auch die Funktionsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs an. Deshalb ist die Forderung nachvollziehbar, Bahnbeschäftigte strafrechtlich stärker zu schützen.

Das Alkoholverbot ist also weder Symbolpolitik noch die Lösung aller Probleme. Es ist ein Baustein. Ob daraus ein wirksames Sicherheitskonzept wird, entscheidet sich erst in den kommenden Monaten. Wenn auf das Verbot ernsthafte Kontrollen und ein besserer Schutz der Mitarbeiter folgen, war es ein sinnvoller Anfang. Bleibt es dagegen bei neuen Schildern und wohlklingenden Ankündigungen, wird sich für diejenigen, die täglich an Bahnhöfen und in Zügen ihren Dienst tun, wenig ändern.

Siehe auch: DB AG führt Alkoholkonsumverbot ein
Foto: Deutsche Bahn AG / Stefan Wildhirt

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