Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

  • Schlagwörter

Eine Brücke in die Zukunft

06.07.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Schon beim Bau der Müngstener Brücke Ende des 19. Jahrhunderts war vor allem Remscheid die treibende Kraft, weil man eine Schienenverbindung über das Wuppertal nach Düsseldorf und Köln haben wollte. Deshalb ist es auch heute wichtig, dass mit der Linie RE 47 wieder eine Direktverbindung von Remscheid in die Landeshauptstadt geschaffen wird und gleichzeitig in Solingen ein einfacher Umstieg in Richtung Köln möglich ist.

Jetzt ist das mit den akkuelektrischen Zügen natürlich immer so eine Sache: Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass solche Fahrzeuge den Zustand einer fehlenden Oberleitung auf Jahrzehnte manifestieren und eine notwendige Elektrifizierungsoffensive eher bremsen als voranbringen. Bei der Müngstener Brücke liegt der Fall allerdings anders. Statiker sind sich weitgehend einig, dass das Bauwerk eine Oberleitung nicht tragen kann. Hinzu kommen die strengen Vorgaben des Denkmalschutzes. Das muss man akzeptieren, auch wenn man sich an anderer Stelle durchaus mehr Mut zum Fahrleitungsbau wünschen würde.

Schließlich handelt es sich bei der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands nicht um eine Neubaustrecke zwischen zwei Metropolen, über die ICE-Züge mit Höchstgeschwindigkeit rasen. Die Müngstener Brücke verbindet seit mehr als 125 Jahren Remscheid und Solingen – und gerade deshalb verdient sie eine technische Lösung, die ihren besonderen Rahmenbedingungen gerecht wird. Genau hier können Batteriezüge ihre Stärken ausspielen. Sie fahren dort unter Fahrdraht, wo er vorhanden ist, laden ihre Akkus auf und überbrücken den nicht elektrifizierten Abschnitt lokal emissionsfrei. Das ist kein Allheilmittel für das deutsche Schienennetz und ersetzt den Ausbau der Oberleitungen nicht. Für die Müngstener Brücke ist es jedoch eine vernünftige und zugleich zukunftsfähige Lösung.

Bemerkenswert ist außerdem, dass die Rückkehr des RE 47 nicht nur mit neuen Fahrzeugen verbunden ist. Auch die Entscheidung, die Züge grundsätzlich mit Zugbegleitern und in den Abendstunden sogar mit zwei Mitarbeitern zu besetzen, setzt ein wichtiges Zeichen. Sicherheit und Service sind im Regionalverkehr keine Nebensächlichkeiten. Gerade auf einer Strecke, die über Jahre hinweg vor allem durch Ausfälle und Schienenersatzverkehr aufgefallen ist, können persönliche Ansprechpartner das Sicherheitsgefühl und die Qualität des Angebots deutlich verbessern.

Mindestens ebenso wichtig wie die neue Antriebstechnik ist allerdings die Rückkehr der Verlässlichkeit. Drei Jahre lang mussten die Fahrgäste mit Fahrzeugproblemen, Schienenersatzverkehr und Unsicherheit leben. Moderne Züge, ein besseres Platzangebot und zusätzliches Servicepersonal sind deshalb mehr als nur Komfortmerkmale – sie sind ein Signal an die Pendler, dass ihre Strecke wieder ernst genommen wird.

Bleibt zu hoffen, dass der Neustart des RE 47 tatsächlich dauerhaft gelingt. Denn die Menschen im Bergischen Land brauchen keine Prestigeprojekte und keine Sonntagsreden, sondern eine Eisenbahn, die jeden Tag pünktlich fährt.

Siehe auch: RE 47 fährt wieder nach Düsseldorf
Foto: Regiobahn GmbH

Kommentare sind geschlossen.