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Bestellen, kontrollieren, verbessern

22.06.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Dreißig Jahre Regionalisierung im Eisenbahnverkehr sind ein guter Anlass, um Bilanz zu ziehen. Dabei zeigt das Beispiel Bayern sehr deutlich, warum die Reform Mitte der neunziger Jahre richtig war. Wer sich noch an die alte Bundesbahn erinnert, weiß, dass die Eisenbahn damals keineswegs das romantisierte Erfolgsmodell war, als das sie heute gelegentlich dargestellt wird. Vielmehr herrschte vielerorts eine Gutsherrenmentalität: Gefahren wurde, was die Bundesbahn für richtig hielt. Die Interessen der Fahrgäste, der Aufgabenträger und der Regionen spielten oft nur eine untergeordnete Rolle.

Mit der Regionalisierung hat sich das grundlegend geändert. Die Verantwortung für den Schienenpersonennahverkehr wurde den Ländern übertragen. Dadurch entstanden Strukturen, die näher an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort sind. In Bayern hat die BEG diese Aufgabe übernommen und dabei früh auf Wettbewerb gesetzt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: mehr Verkehrsangebot, mehr Fahrgäste und deutlich modernere Fahrzeuge.

Entscheidend ist dabei nicht allein die Tatsache, dass verschiedene Eisenbahnverkehrsunternehmen auf dem Markt tätig sind. Von besonderer Bedeutung ist, dass Leistungen heute bestellt, definiert und kontrolliert werden. Verkehrsverträge enthalten klare Vorgaben zu Fahrplan, Fahrzeugqualität, Sauberkeit und Kundenservice. Werden diese Anforderungen nicht erfüllt, drohen finanzielle Konsequenzen. Genau das unterscheidet das heutige System von der früheren Bundesbahnwelt, in der vielfach der Eindruck entstand, dass Leistungen erbracht wurden, ohne sich einer wirksamen Kontrolle stellen zu müssen.

Wettbewerb ist dabei kein Selbstzweck. Sein eigentlicher Nutzen besteht darin, dass öffentliche Gelder effizient eingesetzt werden. Der Schienenpersonennahverkehr wird auch künftig auf erhebliche Zuschüsse angewiesen sein. Umso wichtiger ist es, dass die Kosten kalkulierbar bleiben und die verfügbaren Mittel möglichst viel Nutzen für die Fahrgäste stiften. Ausschreibungen und Wettbewerbsverfahren schaffen Transparenz und ermöglichen es den Aufgabenträgern, Leistungen und Preise miteinander zu vergleichen. Das schützt die Steuerzahler und erhöht zugleich den Druck auf die Unternehmen, gute Qualität zu liefern.

Natürlich sind auch die Grenzen dieses Systems sichtbar. Die Probleme der Infrastruktur, die vielerorts zu Verspätungen und Zugausfällen führen, können die Aufgabenträger nicht lösen. Hier bleibt der Bund gefordert. Dennoch sollte die aktuelle Krise nicht den Blick auf das verstellen, was in den vergangenen drei Jahrzehnten erreicht wurde.

Die Regionalisierung hat den Nahverkehr nicht perfekt gemacht. Aber sie hat dafür gesorgt, dass Qualität messbar, Leistungen kontrollierbar und Kosten besser kalkulierbar geworden sind. Vor allem hat sie eine Zeit beendet, in der ein staatliches Monopol weitgehend nach eigenen Vorstellungen agieren konnte. Allein dafür hat sich die Reform gelohnt.

Siehe auch: Bayern feiert dreißig Jahre Regionalisierung
Foto: Bayrische Eisenbahngesellschaft / Uwe Miethe

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