Dreißig Jahre LNVG Niedersachsen
26.05.26 (Niedersachsen) Autor:Stefan Hennigfeld
Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) feiert in diesen Tagen ihr dreißigjähriges Bestehen: Seit dem Start der Regionalisierung im Jahr 1996 wird der SPNV in Nordwestdeutschland bestellt. Alte Fahrzeuge aus Bundesbahn-Beständen sind verschwunden, neue Fahrzeuge aus dem landeseigenen Pool gingen erstmals auf die Schiene.
Die NordWestBahn nahm im Auftrag der LNVG mit zunächst 23 modernen Triebzügen den Betrieb auf. „Die DB hatte überlegt, dort Verbindungen zu streichen“, sagt Carmen Schwabl, Sprecherin der LNVG-Geschäftsführung. „Mit den neuen Zügen war die fehlende Nachfrage kein Thema mehr – die Nachfrage wächst dort bis heute.“
427 blau-weiß-gelbe Lokomotiven, Wagen und Triebzüge prägen heute das Bild des Nahverkehrs in Niedersachsen. „Sie sind die sichtbarsten Zeichen unserer Arbeit“, sagt Schwabl. Die Fahrzeuge gehören der LNVG, die sie an die Bahnunternehmen vermietet. Die LNVG war der erste Aufgabenträger in Deutschland, der einen Pool eigener Fahrzeuge aufgebaut hat. „So konnten wir schneller für moderne Züge sorgen als viele andere Aufgabenträger, die keine eigenen Fahrzeuge hatten“, erläutert Schwabl.
Der Fahrzeugpool der LNVG ermöglicht es zudem auch Bahnunternehmen ohne eigene Fahrzeuge, sich auf Netze in Niedersachsen zu bewerben. „Das hat sich bewährt. Es belebt den Wettbewerb – und das hat dazu geführt, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten viele Millionen Euro Steuergelder eingespart haben“, sagt Schwabl. „Dieses eingesparte Geld konnten wir für mehr Zugfahrten, die Erneuerung von Bahnhöfen oder andere Projekte einsetzen.“
Mit den eigenen Fahrzeugen setzt die LNVG zudem technologische Akzente: Bei den Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser rund um Bremervörde rollen die ersten Wasserstoffzüge der Welt. Nach 2040 sollen für die LNVG nur noch Züge unterwegs sein, die kein CO2 mehr ausstoßen, also Wasserstoff-, Batterie- und Elektrofahrzeuge. Die ersten Batteriezüge sollen ab 2031 rollen.
Bereits 2027 sollen auf dem Expresskreuz Bremen/Niedersachsen erstmals Doppelstockzüge eingesetzt werden, die stufenlos vom Bahnsteig aus betreten werden können. Zudem sind bereits zwei Triebzüge der LNVG dafür ausgerüstet, führerlos unterwegs zu sein.
„Wir werden sie ab Dezember 2029 auf der Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg Ost einsetzen. Im täglichen Betrieb werden noch eine gewisse Zeit Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführer das System überwachen und Erfahrungen sammeln. Später wird sich das Personal an Bord auf den Service für die Fahrgäste konzentrieren können. Für Strecken im sehr ländlichen Raum sind autonome Züge eine echte Chance, das Angebot zu sichern.“
1996 waren in Niedersachsen rund 69 Millionen Fahrgäste im Eisenbahn-Nahverkehr unterwegs. 2024 waren es bereits 132 Millionen, davon 102 Millionen im Gebiet der LNVG. Seit 1996 wurden in Niedersachsen 27 Bahnhöfe und Haltepunkte entweder reaktiviert oder neu eröffnet.
Foto: Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH