VDV-Gutachten für MeckPom
25.03.26 (Mecklenburg-Vorpommern) Autor:Stefan Hennigfeld
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat in der letzten Woche sein Gutachten für Mecklenburg-Vorpommern vorgelegt. Der ÖPNV im Nordosten der Republik ist zentral für Berufspendler, Senioren und vor allem für Touristen. Derweil ist das Gesamtsystem, wie überall in Deutschland, unter massivem Druck: Die Kosten steigen, es mangelt an guten Mitarbeitern und der Investitionsstau wird größer. Dazu kommt die im Bundesvergleich sehr niedrige Kostendeckung von nur 21 Prozent.
Das neue Leistungskostengutachten zeigt erstmals im Detail, wie sich Angebot, Nachfrage, Kosten und Finanzierungsbedarf im ÖPNV bis 2040 entwickeln – für Deutschland insgesamt und für jedes Bundesland. Zwei Szenarien – „Modernisierung 2040“ und „Deutschlandangebot 2040“ – machen deutlich: Ein stabiler, besserer Nahverkehr ist möglich, wenn Bund und Länder verlässlich investieren, auch in Mecklenburg-Vorpommern. 2024 erbrachten die Verkehrsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern rund 124 Millionen Nutzfahrzeug- beziehungsweise Nutzzugkilometer – davon 82 Prozent im Busverkehr.
Die Gesamtaufwendungen im ÖPNV beliefen sich auf 890 Millionen Euro, davon wurden lediglich 200 Millionen Euro über Fahrgelderlöse und sonstige Erträge gedeckt. Der verbleibende Finanzierungsbedarf wird aus öffentlichen Mitteln getragen. Im Landeshaushalt für den ÖPNV waren im Jahr 2025 rund 461 Millionen Euro eingeplant – davon stammen fast 88 Prozent aus Bundesmitteln, nur etwa zwölf Prozent aus Landesmitteln. Damit setzt Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich der 16 Bundesländer besonders wenig eigene Finanzmittel für den ÖPNV ein, obwohl dieser verfassungsrechtlich in die Verantwortung der Länder fällt.
Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des VDV: „25 Prozent Kostendeckung oder weniger – das ist für viele Flächenländer Realität. Mecklenburg-Vorpommern steht exemplarisch dafür, wie stark der ÖPNV von öffentlichen Mitteln abhängt. Die Landesregierung muss ihrer Verantwortung gerecht werden: Wer gleichwertige Lebensverhältnisse bieten möchte, muss den ÖPNV im Landeshaushalt dauerhaft höher priorisieren. Das Gutachten legt die Fakten offen, jetzt sind Landtag und Landesregierung am Zug.“
Das Gutachten arbeitet mit zwei Entwicklungspfaden: „Modernisierung 2040“ und „Deutschlandangebot 2040“. Beide zeigen: Ohne zusätzliche Mittel geht es nicht – aber mit überschaubaren, stetig wachsenden Investitionen lässt sich der ÖPNV spürbar verbessern. Mit dem Modernisierungsszenario steigt der Finanzbedarf von 690 Millionen Euro auf 1,27 Milliarden Euro im Jahr 2040.
Dafür sind im Schnitt 36 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich nötig, davon 16 Millionen Euro allein durch Inflation. Im Szenario Deutschlandangebot 2040 würde der Finanzbedarf auf 1,57 Milliarden Euro steigen, das wären 55 Millionen Euro jährlicher Mehrbedarf. Damit würden aber auch erhebliche Leistungsausweitungen und qualitative Angebotssteigerungen einhergehen.
Foto: Deutsche Bahn AG / Christian Bedeschinski