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Zuverlässigkeit, unabhängig vom Treibstoff

16.02.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Grundannahme lautet: Wir wollen den Eisenbahnverkehr in Deutschland dekarbonisieren, aber eine vollständige Elektrifizierung des Netzes, wie das etwa in der Schweiz der Fall ist, kriegen wir in absehbarer Zeit nicht hin. Obwohl es seit mehreren Koalitionsverträgen regelmäßig Elektrifizierungsoffensiven gibt, die zumindest geplant und vereinbart sind, haben wir noch immer verhältnismäßig viele Eisenbahnstrecken ohne Oberleitung in der Republik. Trotzdem lautet die politische Vorgabe, dass man aus der Dieseltraktion aussteigen will.

Naheliegend ist, dass man Akkuzüge einsetzt, die auf elektrifizierten Abschnitten aus der Oberleitung nachladen können. Damit will man zurecht von der Unsitte wegkommen, unter Fahrdraht mit Dieselzügen fahren zu müssen, weil einzelne Abschnitte nicht elektrifiziert sind. Auch im Bereich des Busverkehrs geht man im großen Stil den Weg der Akkubusse und in die Elektromobilität. Nun soll an dieser Stelle nicht darüber gesprochen werden, wie sauber und effizient moderne Dieselbusse sein können. Wohl aber stellt man fest, dass auch unter der Vorgabe, dass man eine Energie-, Verkehrs- und Antriebswende aufs Gleise setzen will, die Wasserstofftraktion eher die Ausnahme ist.

Im Freistaat Bayern gibt es aktuell nur einen Zug, der mit Wasserstoff betrieben wird. Nicht eine Flotte, nicht ein Netz, sondern ein Zug der Bayrischen Regiobahn, der im Augsburger Dieselnetz versuchsweise mitschwimmt. Das klingt tatsächlich überraschend, gerade wenn man bedenkt, dass Hubert Aiwanger wohl einer der größten Befürworter der Wasserstofftechnologie überhaupt ist. Ja, Ende des Jahres sollen auf der Südostbayernbahn Siemens-Mireo mit Wasserstofftraktion fahren, aber auch das sind nur drei zusätzliche Fahrzeuge und aktuell ist das noch nicht losgegangen.

Wenn man sich das Theater anguckt, das in Hessen oder Brandenburg mit Wasserstoffzügen passiert, kann man wohl sagen: Aus Fahrgastsicht es wohl das beste, wenn man zuverlässige Technologie beibehält, bis die neue oder alternative Antriebsart serienreif geworden ist. Denn wenn – wie in Hessen – die Wasserstoffzüge nicht funktionieren oder der Wasserstoff Mangelware ist, dann ist das für die Stellung der Eisenbahn im Wettbewerb der Verkehrsträger kontraproduktiv.

Der Ansatz, dass man die Kinderkrankheiten woanders auskurieren lässt und wartet, bis sowohl die Fahrzeuge einigermaßen einsatzfähig sind als auch die Wasserstoffversorgung funktioniert, ist daher sicher vernünftig, auch wenn der bayrische Wirtschaftsminister vermutlich deutlich schneller und deutlich mehr gewollt hätte.

Aber wenn man jetzt zumindest sicherstellt, dass der Wasserstoff als Treibstoff verlässlich verfügbar ist, dann kann man im nächsten Schritt gucken, wie man diesen zu den Tankstellen bringen, an denen die Züge versorgt werden. Da hat man das nächste Problem, nämlich dass Wasserstoff nur sehr schwer transportiert werden kann. Dem muss man sich danach zuwenden und gucken, wie man die Probleme löst. Aber auch hier gilt: Schritt für Schritt kann man was bewegen.

Siehe auch: Bund fördert Wasserstoff in Bayern
Foto: Bayrische Regiobahn GmbH

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