Wichtige Themen angehen
09.02.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Natürlich gibt es grundsätzliche Interessenskonflikte zwischen dem Infrastrukturbetreiber und dem Verkehrsbetreiber. Das liegt in der Natur der Sache und lässt sich auch durch gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht wegzaubern.
Dass ausgerechnet der VDV als Interessenvertretung der Verkehrsunternehmen nun einen Infrastrukturausschuss gründet, mag befremdlich erscheinen, aber letztlich ist es halt der große Branchenverband, der auch die Infrastrukturbetreiber organisiert und ihnen eine Stimme gibt – und vielleicht eben doch dafür sorgt, dass zumindest Gespräche geführt werden können, denn am lange Ende gibt eben doch eine ganze Reihe gleicher Interessen, weil die Eisenbahn natürlich gegen das Auto im Wettbewerb der Verkehrsträger bestehen muss.
Wichtig ist, dass es hier nicht nur das Eisenbahnnetz der DB AG gibt, sondern auch andere Netzbetreiber. Die Infrastruktur von DB InfraGo ist im ein vielfaches größer als die Netzlänge aller anderen Betreiber zusammen und doch braucht man sie alle, um eine gute und flächendeckende Eisenbahnerschließung in Deutschland organisieren zu können.
Dabei muss man sich in Zukunft durchaus die Frage stellen, ob denn wirklich jede Form der Eisenbahninfrastruktur in einem Bundesunternehmen organisiert sein muss, oder ob es nicht grundlegend sinnvoller wäre, jenseits der überregionalen Hauptverkehrsachsen in der Bundesverantwortung auch Landesgesellschaften zu betrauen: Dort wo „nur“ die S-Bahn fährt, wo hin und wieder mal regionalen Güterzüge unterwegs sind, wo es bestenfalls einen Anschluss zum Fernverkehr gibt, da könnte bei entsprechenden Konzepten durchaus eine Zuständigkeit und Verantwortlichkeit vor Ort deutlich sinnvoller sein, auch im Rahmen der inneren Logik des Regionalisierungskonzeptes der Eisenbahnreform in Deutschland.
Vielfach wird ja auch die Schweiz als Vorbild gesehen, doch da betreibt die SBB nur etwa die Hälfte der Eisenbahninfrastruktur. Der Rest ist in kommunaler oder kantonaler Hand und das funktioniert auch sehr gut. Über eines muss man sich klar werden: Die Eisenbahninfrastruktur wird in Zukunft deutlich mehr Verkehr aufnehmen müssen als bislang. Der Güter- und der Personenverkehr werden wachsen. Selbst wenn es der Eisenbahn nicht gelingt, Verkehrsanteile von der Straße auf die Schiene umzuleiten, so wird bereits ein einfaches „Mit dem Markt mitwachsen“ dafür sorgen, dass man deutlich mehr Trassen braucht, deutlich längere Züge mit längeren Bahnsteigen unterwegs sein werden und dass auch der Verdrängungswettbewerb zwischen Güter- und Personenverkehr auf der Schiene härter wird.
Aber der Zubau von Infrastrukturkapazität, die Ertüchtigung der Bestandsanlagen und die Modernisierung oft in die Jahre gekommener und fehleranfälliger Technik braucht nicht nur Geld, sondern auch Zeit, gerade im Hinblick auf gestörte Lieferketten, einen Mangel an Baustoffen, Bauarbeitern und Baumaschinen und vielem mehr. Es ist also völlig richtig, dass man sich auch im VDV mit diesen Zukunftsthemen befasst.
Siehe auch: VDV gründet Infrastrukturausschuss
Foto: Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont