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Wenn die Vorratsplanungen fehlen

26.02.26 (go.Rheinland, Güterverkehr, Kommentar, NWL, Rheinland-Pfalz) Autor:Stefan Hennigfeld

Natürlich ist die Siegstrecke von Köln nach Siegen nicht so stark befahren wie andere aus Köln ausbrechende Hauptbahnen, etwa links und rechts am Rhein, Richtung Aachen oder Düsseldorf. Nichtsdestotrotz leben viele Berufspendler im Siegtal, die jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit und zurückfahren. Die Linie RE 9 ist oft stark überfüllt und bei der Neuvergabe hat man sich bewusst entschieden, eine starke Kapazitätserhöhung zu bestellen, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Aber gerade vor diesem Hintergrund muss man natürlich fragen, wieso man es in einer siebenmonatigen Vollsperrung nicht schafft, zwei relativ kurze eingleisige Abschnitte auszubauen, um Engpässe zu vermeiden. Woran ist das gescheitert und wieso hat man sich im Vorfeld nicht im Sinne einer Vorratsplanung darum gekümmert? Vorratsplanungen haben ja genau diesen Zweck: Dass man Konzepte in der Schublade hat und wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann man sie rausholen und realisieren.

Es geht ja hier nicht nur um den Personenverkehr auf der Siegstrecke, sondern auch um die Potentiale beim Güterverkehr. Die rechte und linke Rheinstrecke sind beide überlastet und können keinen nennenswerten zusätzlichen Güterverkehr mehr aufnehmen. Auf der Siegstrecke würde das grundsätzlich gehen, Züge könnten dann über Gießen weiter Richtung Süden fahren. Hierfür braucht man aber eine Strecke, die entsprechend ertüchtigt ist, die durchgehend zweigleisig ist und die signaltechnisch in der Lage ist, zehn bis zwölf Züge pro Stunde und Richtung aufzunehmen.

Gleichzeitig braucht man genügend Überholstellen, damit ein Güterzug hinter sich keinen Stau verursacht, sondern auch bei langsamer Geschwindigkeit überholt werden kann, wenn es notwendig ist. Auch das hat mit der Leistungsfähigkeit der Infrastruktur zu tun. Ja, hier ist unter der Ägide von Hartmut Mehdorn bundesweit sehr viel zerstört worden. Da wurden Ausweich- und Überholgleise rausgerissen – aber nie und ohne Sinn und Verstand, sondern immer mit der Zustimmung des Eisenbahnbundesamtes und unter politischer Protektion, denn der gescheiterte Börsengang der DB AG war nicht Hartmut Mehdorns Idee, sondern er war nur das ungeliebte Gesicht einer nicht mehrheitsfähigen Eisenbahnpolitik in Deutschland.

Das scheint er ein Stück weit bis heute zu sein, wenn man sagt, dass die Eisenbahnkrise im Jahr 2026 die Spätfolgen Mehdorn´scher Misswirtschaft seien – man macht einen früheren Vorstandsvorsitzenden verantwortlich, der seit 17 Jahren nicht mehr im Amt ist.

Nein, hier muss man die Verantwortung ganz klar bei den heute zuständigen und verantwortlichen Personen suchen: Man hätte schon nach der Absage des Börsenganges ein Rückbau- und vor allem ein Entwidmungsmoratorium machen müssen. Es braucht klare Planungen für eine leistungsfähigere Infrastruktur, wie man sie im Eisenbahnknoten Köln ja auch hat. Davon ausgehend muss man sich auch mit den aus Köln ausbrechenden Strecken befassen und sich gut aufstellen für die Möglichkeiten, die sich in den nächsten Jahren bieten werden.

Siehe auch: Planungen zur Siegstrecke vorgestellt
Foto: Deutsche Bahn AG / Georg Wagner

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