VDV zieht Jahresbilanz für 2025
02.02.26 (Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat in der letzten Woche seine Bilanz für das Jahr 2025 vorgelegt: 9,86 Milliarden Fahrgastfahrten gab es nach Berechnungen des VDV; diese Werte werden vom Statistischen Bundesamt im Laufe des Jahres traditionell noch etwas nach oben korrigiert, weil der VDV sehr zurückhaltend rechnet. Das ist ein leichter Zuwachs um 0,8 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024.
„Steigende Fahrgastzahlen sind eine gute Nachricht. Es wäre mehr Wachstum möglich, wenn wir nicht durch den schlechter werdenden Zustand unserer Infrastrukturen, den Problemen bei der Beschaffung und Zulassung von Fahrzeugen sowie zu viel Bürokratie bei der Rekrutierung von neuem Personal an Qualität und Zuverlässigkeit verlieren würden. Das spüren auch unsere Kundinnen und Kunden. Wir sind daher mit dem Ergebnis des letzten Jahres nur in Teilen zufrieden. Unser Anspruch ist es, gute Mobilitätsangebote für möglichst viele Menschen zu liefern. Doch dafür braucht es die passenden politischen Rahmenbedingungen“, so VDV-Präsident Ingo Wortmann.
Konkret meint der VDV-Präsident damit die nach wie vor offene Frage, wann die Bundesregierung den im Koalitionsvertrag angekündigten ÖPNV-Modernisierungspakt endlich angeht. Und auch bei der Weiterentwicklung des Regionalisierungsgesetzes gibt es noch keine erkennbaren Fortschritte. Der VDV hat dem Bundesverkehrsminister entsprechende Vorschläge unterbreitet.
„Eine Realisierung des Modernisierungspakts lehnen das Bundesfinanz- und das Bundesverkehrsministerium bislang unter Hinweis auf fehlende zusätzliche Finanzmittel ab, da sie insbesondere finanzielle Forderungen der Länder und Kommunen befürchten. Die Leistungsfähigkeit des ÖPNV darf aber keine politische Verhandlungsmasse sein. Sie ist wesentlich für die täglich 24 Millionen Fahrgäste überall im Land, in den Ballungszentren und ländlichen Räumen. Uns ist bewusst, dass dabei alle Beteiligten ihren Beitrag leisten müssen. Die Verkehrsunternehmen und Verbünde stehen dafür bereit, um die notwendigen weiteren Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer nachhaltigen Produktivitäts-, Effizienz und Qualitätssteigerung im deutschen ÖPNV führen, wenn dazu die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen sind“, so Wortmann.
Genau ein Jahr nach der ersten Preiserhöhung wurde das Deutschlandticket zum 1. Januar 2026 erneut teurer. Die aktuelle Erhöhung von 58 auf jetzt 63 Euro pro Monat hat nach Angaben der Branche auch diesmal nicht zu einer Kündigungswelle geführt. Während die Kündigungsquote nach der Preiserhöhung 2025 bei rund acht Prozent lag, liegt sie mit aktuell 5,75 Prozent deutlich unter dem Vorjahreswert.
„Wir sehen auch in diesem Jahr eindeutig keine Kündigungswelle durch die Preiserhöhung beim Deutschlandticket. Das ist gut und wichtig für die nach wie vor durch sinkende Ticketpreise angespannte Einnahmesituation der Branche. Es muss uns künftig gemeinsam mit Bund und Ländern gelingen, Stabilität bei der Gesamtfinanzierung des Deutschlandtickets zu gewährleisten, damit wir die weiteren Potenziale dieses Angebots heben können. Dazu braucht es insgesamt eine auskömmliche Finanzierung aus den öffentlichen Haushalten, den bereits zwischen den Verkehrsministern vereinbarten Preisindex und die Weiterentwicklung einer bundesweiten, fairen Einnahmeaufteilung“, erklärt Wortmann.
Insgesamt nutzten zum Jahresende 2025 rund 14,6 Millionen Menschen das Deutschlandticket. 74 Prozent davon waren Standard Deutschlandtickets, 15 Prozent Jobtickets und elf Prozent Semestertickets. Auf der Kostenseite waren im letzten Jahr vor allem die erneut deutlich steigenden Personalkosten ein wesentlicher Faktor, der die Branche wirtschaftlich weiter unter Druck gesetzt hat. Im Vergleich zu anderen großen Kostenblöcken im ÖPNV, wie etwa Strom und Diesel, die zum Teil nur moderat gestiegen oder gar leicht gesunken sind, sind die Personalkosten innerhalb des letzten Jahres um fünf Prozent deutlich gestiegen.
Gleichzeitig, das zeigt eine aktuelle Untersuchung aus der Branche, ist die Produktivität im Fahrdienst, also die Verfügbarkeit der Fahrpersonals, in den vergangenen Jahren stark gesunken. Die Untersuchung führt dies auf „eine Reduzierung von tarifvertraglichen Arbeitszeiten und eine Steigerung der Abwesenheitszeiten“ zurück. Allerdings: Das waren genau die Stellschrauben, die man brauchte, um Personal zu finden und auch langfristig in der Branche halten zu können.
Siehe auch: Ein hohes Kundenplateau erreicht