Ein hohes Kundenplateau erreicht
02.02.26 (Allgemein) Autor:Stefan Hennigfeld
Rechnen wir mal ein wenig: In den Monaten Juni bis August 2022 wurden insgesamt etwa 52 Millionen Neun-Euro-Tickets verkauft. Unbekannt ist, in wie vielen Fällen sich Leute diese Tickets mehrfach gekauft haben und wie viele Gelegenheitsfahrer in dieser Zeit umgestiegen sind. Zu diesen 52 Millionen Verkäufen in drei Monaten kommen etwa zehn Millionen Zeitkarteninhaber dazu, für deren Fahrschein in diesen Monaten nur neun Euro berechnet worden sind. Das macht grob gerechnet 27 Millionen Neun-Euro-Tickets im Monat.
Das wirkt deutlich mehr als die 14,6 Millionen Deutschlandtickets, die es aktuell gibt. Doch wenn man näher hinguckt, ist das gar nicht so. Man hatte beim Neun-Euro-Ticket etliche Spaßfahrer dabei, die die Urlaubsmonate genutzt haben, um möglichst billig zwischen Flensburg und Füssen mitzunehmen, was man mitnehmen kann: So billig wird das Zugfahren nie wieder. Wenn man sich jetzt anguckt, dass die etwa zehn Millionen Zeitkarteninhaber, die es Anfang 2022 gab zu jetzt etwa 14,6 Millionen Deutschlandticket-Inhabern geworden sind, dann kann man sehr wohl von einem nachhaltigen Erfolg sprechen.
Dazu kommen natürlich noch Einzelfälle, in denen manch einer statt eines Deutschlandtickets doch noch einen Verbundfahrschein hat: Etwa weil man zur Arbeit nur zehn Minuten mit dem Bus fahren muss und die kleine Lösung billiger ist, dazu kommt oftmals die Übertragbarkeit oder Mitnahmemöglichkeiten. Das alles bietet das Deutschlandticket nicht, sodass man davon ausgehen muss, dass zu den 14,6 Millionen Deutschlandticket-Inhabern noch weitere Zeitkarten-Inhaber addiert werden müssen, die auch damals mit dem Neun-Euro-Ticket gefahren sind.
Außerdem gibt es Gelegenheitsfahrer, die ein- oder zweimal im Monat unterwegs sind, auch die hatten ihr Neun-Euro-Ticket in der Tasche. Wenn man all das mit einberechnet, stellt man fest: Es werden nicht mehr potentielle Kunden zu Bussen und Bahnen kommen, wenn man die Monatskarten massiv verbilligt oder sogar (fast) verschenkt. Im Gegenteil, man hat jetzt mit dem Deutschlandticket ein hohes Kundenplateau erreicht, das entspricht etwa dem anderthalbfachen dessen, was man vorher hatte und man hat Berufspendler – gerade auf längeren Strecken – erheblich finanziell entlastet.
Wer von Wuppertal nach Köln pendelt, hat früher etwa 250 Euro bezahlt, jetzt noch 63 Euro. Es gibt aber auch andere Pendlergruppen, für die der Preis gar nicht so wichtig ist: Wer morgens vor der Arbeit das Kind zur Schule oder zum Kindergarten bringen und vielleicht noch einkaufen muss, für den stellt sich nicht die Frage, ob das Deutschlandsticket um fünf oder zehn Euro teurer wird, sondern der braucht verlässliche Angebote vor Ort, gute Umsteigemöglichkeiten und vieles mehr.
Für eine ernsthafte Verkehrswende, d.h. eine Verlagerung aus dem Auto auf die Schiene, muss man jetzt an die Qualität ran. Der VDV hat da ja mit der Forderung nach einem Modernisierungspaket in die richtige Kerbe gehauen. Es reicht nicht, wenn es billig ist, sondern die Qualität muss ebenfalls stimmen und die darf ihren Preis haben.
Siehe auch: VDV zieht Jahresbilanz für 2025
Foto: Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V.