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Viele Probleme, viele Lösungswege

08.01.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Ministerin Lydia Hüskens appelliert an DB InfraGo, Probleme zu lösen, ausreichende Investitionen vorzunehmen, genügend Personal für die Stellwerke einzustellen und insgesamt dafür zu sorgen, dass Probleme gelöst werden. Mehr als appellieren kann sie als Landesministerin aber nicht, auch die NASA als landeseigener Aufgabenträger könnte sonst nichts tun, weil es keinerlei direkte Vertragsverhältnisse gibt.

Natürlich können die von der NASA beauftragten Eisenbahnverkehrsunternehmen im Zweifel über die Bundesnetzagentur in den Konflikt gehen, aber im großen und ganzen ist so ein Aufgabenträger machtlos und kann nur freundlich bitten, dass sich etwas tut. Wichtig ist, dass man in puncto Pönalisierungen genauer hinschaut und im Rahmen dessen, was möglich ist, darauf verzichtet, Gelder einzubehalten, wenn die Zugausfälle nicht durch den Betreiber zu verantworten sind, etwa weil es wegen Signal- oder Weichenstörungen nicht weitergeht, weil ein Stellwerk nicht besetzt ist oder andere Gründe, die der Verkehrsbetreiber nicht zu verantworten hat.

Leider muss man bundesweit attestieren, dass die Infrastruktur verfällt, auch wenn man aktuell ein hohes Investitionsvolumen hat. Dazu kommen auch in Sachsen-Anhalt immer wieder Baumaßnahmen, die dafür sorgen, dass Schienenersatzverkehre bestellt und organisiert werden müssen. Solche Ausfälle sind aber in der Regel vorher angekündigt und geplant, das ist ein anderer Fall als wenn man plötzlich keinen Lokomotivführer hat oder wenn abends um acht oder zehn das Stellwerk unbesetzt ist die Fahrten zur Tagesrandlage nicht mehr durchgeführt werden können.

Wobei man sich auch hier die Frage stellen muss, wer verantwortlich ist, wenn der Infrastrukturbetreiber keinen Fahrdienstleiter für das Stellwerk hat, wenn gleichzeitig das Verkehrsunternehmen keinen Lokomotivführer für seinen Zug hat. Wichtig ist daher auch in Sachsen-Anhalt, dass man eine gute Personalakquise betreibt und parallel dazu auch dafür sorgt, dass die Fluktuation des Personals möglichst gering ist.

Das sind zwei Seiten einer Medaille und den zweiten Punkt vergisst man leider in der Eisenbahn- und ÖPNV-Branche: Aber gerade Quereinsteiger, die alle möglichen beruflichen Hintergründe haben, können im Zweifel auch relativ schnell wieder aussteigen und in ihren alten oder einen anderen Beruf zurückgehen. Die Unternehmen in der Branche stehen nicht nur in Konkurrenz zueinander, sondern sie stehen auch in Konkurrenz mit anderen Branchen und ein gelernter Elektriker oder Kfz-Mechatroniker kann auch jederzeit in seinen alten Beruf zurück.

Die Eisenbahnbranche hat spezifische Dinge wie unregelmäßige Arbeitszeiten und manch einer sagt sogar, dass das Vielschichtsystem auf der Lok anstrengender sei als ein klassisches Dreischichtsystem in der produzierenden Industrie. Ob das so ist, sei dahingestellt, aber diese Bedingungen lassen sich nicht ändern. In zukünftigen Tarifverträgen muss man mit entsprechenden Anreizen dafür sorgen, dass es besonders viel Spaß macht, denn die Eisenbahn ist noch immer ein Kindheitstraum.

Siehe auch: Sachsen-Anhalt: Gemischte ÖPNV-Bilanz
Foto: Allianz pro Schiene – Richard Schött

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