Die Chance für ein Leuchtturmprojekt nutzen
19.01.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Im Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) ist festgehalten, dass ein „S-Bahn-Netz Rheinisches Revier“ ausgebaut werden soll. Diese Chance muss man nutzen, denn völlig unabhängig von sonstigen Rahmenbedingungen gilt es, Infrastrukturausbauten durchzuführen, wenn es notwendig ist.
Natürlich muss man auch darüber sprechen, wenn denn Nordrhein-Westfalen im Anschluss gedenkt, ein erhebliches Maß an Verkehrsleistungen zu finanzieren, während die Regionalisierungsgelder konstant bleiben, Verkehrsverträge teurer werden und man aufgrund von Personalmangel ohnehin keine zusätzlichen Eisenbahnleistungen fahren kann. Doch hier muss man sich überlegen: Soll man diese Bedenken vorschieben und sagen: Wir bauen erst, wenn wir all das gelöst haben oder wäre es nicht doch sinnvoller zu sagen: Wir bauen jetzt, weil wir jetzt ein politisches Fenster offen haben, weil sich jetzt die Möglichkeit ergibt und weil man jetzt aufgrund der Fördergelder rund um den Ausstieg aus der Braunkohleförderung etwas machen kann.
Ich sage ganz klar: Jetzt sollte man bauen, jetzt sollte man die Chance nutzen und wenn man dann tatsächlich zusätzliche Infrastruktur hat, guckt man, was man damit macht. Angesichts der weltpolitischen Lage wissen wir ja gar nicht, ob sich der Kohleausstieg in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen überhaupt so durchziehen lässt, wie geplant. Was ist, wenn man die Förderdauer der Braunkohle am Rhein nochmal um zehn bis zwanzig Jahre verlängert? Soll man dann sagen „Ohne Kohleausstieg gibt es auch keine Fördergelder für die Region, also beerdigen wir so ein Eisenbahnprojekt“? Wohl kaum!
Dabei bietet eine bessere Eisenbahnanbindung der Fläche und Region an die Großstädte Chancen, die oft weit höher sind als Gutachter es sich im Vorfeld vorstellen können. Die vielen kleinen Dörfer im badischen, die durch das Karlsruher Modell eine direkte Anbindung ans Zentrum haben, erleben einen Boom, den niemand vorhersagen wollte. Die Düsseldorfer Regiobahn ist ein Erfolgsmodell geworden, das sich in dieser Form niemand hätte vorstellen wollen.
Es gibt überhaupt kein Reaktivierungs- oder Neubauprojekt, wo man sagen muss: Das ist gescheitert, die Nachfrage wurde überschätzt, hier braucht man keine Eisenbahn. Im Gegenteil, die Nachfrage kommt bei einem guten Angebot von selbst und wenn man verlässlich und komfortabel mit dem Zug nach Köln oder Aachen fahren kann, dann überlegt sich so manch einer, doch raus in die Umgebung zu ziehen.
In einer Zeit, in der der urbane Wohnungsmarkt immer angespannter wird, scheitern Ausweicheffekte oft daran, dass es in kleineren und mittleren Städten einerseits nicht genügend Arbeit, andererseits nicht genügend Pendelmöglichkeiten gibt. Wenn es gelingt, die S-Bahn Rheinisches Revier mit dem Wohnungsbau in den Anrainerkommunen gut zu verknüpfen, dann kann man hier ein Modell schaffen, das weit über die Region hinaus als Leuchtturm betrachtet wird. Diese Chance gilt es jetzt zu nutzen und dafür müssen alle beteiligten Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen.
Siehe auch: Machbarkeitsstudie zur Revierbahn West
Foto: go.Rheinland / Smilla Dankert