Chaotische Zustände verwalten
29.01.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Es sind immer wieder die gleichen Themen, die man im Zusammenhang mit Infrastrukturproblemen hat: Es wird oft kurzfristig gebaut, Bauzeiten verlängern sich und man hat insgesamt den Eindruck, dass das Baustellenmanagement bei DB InfraGo, wie auch früher bei DB Netz, nicht funktioniert. Man holt die Eisenbahnverkehrsunternehmen oft nicht rechtzeitig an Bord und natürlich fragt man sich, ob die Konzernschwestern DB Regio und DB Fernverkehr oft genauso überrumpelt werden oder ob man da über den Flurfunk und kurzen Dienstweg besser informiert ist.
Ich würde hier aber auch nicht übermäßig viel erwarten: Unter der Hand hört man durchaus, dass auch die Eisenbahnverkehrsunternehmen des DB-Konzerns nicht gut auf die Konzernschwestern zu sprechen sind, aber man kann das halt wegen des Konzernfriedens nicht so ohne weiteres öffentlich kundtun. In jedem Fall sorgt das massive Bauaufkommen mitsamt Umleiter- und Sonderfahrplänen dafür, dass die Belastung der Mitarbeiter steigt und bei manch einem, der schon anderen Berufen jenseits der Eisenbahn nachgegangen ist, wird sich dann der Gedanke auftun, ob nicht eine weitere berufliche Veränderung sinnvoll sein kann.
Viele Handwerker haben verlässliche Arbeitszeiten am Tag und nur in der Woche – das kann die Eisenbahn nicht bieten, aber natürlich ist es ein Unterschied, ob man seine Pause in einem öffentlich nicht zugänglichen Pausenraum mitsamt einer sauberen Toilette verbringen kann oder ob man irgendwo auf seinem Führerstand sitzt und wartet oder hofft, dass es in vierzig Minuten wieder losgeht.
Wobei die betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen auch in eine andere Richtung denken sollten: Langfristige Sperrungen und Busverkehre über Wochen oder gar Monate sorgen natürlich auch dafür, dass man die oft aufgelaufenen Überstunden mal so richtig runterdrücken kann. Die Urlaube können genommen werden und wenn sich dann noch was bietet, kann man mit vorhandenen Zügen und vorhandenem Personal vielleicht sogar noch andere Marktteilnehmer unterstützen, die in der Krise sind und denen es an Eisenbahnfahrzeugen und Personal mangelt.
Das ist natürlich reine Krisen- und Mangelverwaltung, aber wir befinden uns nun einmal in einer Eisenbahnkrise, die im übrigen auch DB InfraGo betrifft: Wenn sich so eine Baustelle mal um ein paar Wochen oder gar Monate verlängert, weil Ersatzteile fehlen, dann ist auch das ein Problem. Hier spielt es sicherlich keine Rolle, dass eine Vorbereitung auf Lieferengpässe so gut wie nicht stattgefunden hat.
Hier ist auch die Politik gefordert, im Bundesunternehmen DB InfraGo soweit Einfluss zu nehmen, dass eine andere Lagerhaltung von Bauteilen stattfindet, dass man womöglich Rahmenverträge mit allen möglichen Auftragnehmern macht und vieles mehr, um besser auf die sich verschlechternden Umstände zu reagieren. Denn auch hier gilt: So ärgerlich die Rahmenbedingungen oft sind, es ist angezeigt, sich so damit auseinanderzusetzen, dass die Folgen gering bleiben. Hier ist bislang noch relativ wenig passiert.
Siehe auch: Westbahn und BRB kritisieren DB InfraGo
Foto: Bayerische Regiobahn GmbH