Anreize zur fortschreitenden Digitalisierung
15.01.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Schon seit längerem ist der Tarif eezy.nrw so strukturiert, dass man bei sehr vielen Fahrten pro Person nicht über den Monatspreis des Deutschlandtickets rutscht, der aktuell bei 63 Euro liegt. Wer also als Gelegenheitsfahrer im Januar nur für zwanzig Euro fährt, der zahlt nur zwanzig Euro, aber wer dann im Februar neunzig Euro verfährt, bezahlt nur 63 Euro. Das ist richtig und vernünftig, denn die Tarifierung öffentlicher Verkehrsmittel ist keine Lotterie und keine Quizshow, sondern muss verlässlich sein.
Das gilt auch bei der natürlichen Konkurrenzstellung zwischen den konventionellen, analogen Tarifen und den neuen digitalen Tarifen. Wenn man also drei Stationen mit dem Bus, dann zwei Stationen mit der S-Bahn, weiter eine halbe Stunde mit dem Regionalexpress und nochmal vier Stationen auf der kommunalen Schiene fährt, dann kann es mit dem analogen Fahrschein teurer oder billiger sein als digital. Auch hier geht man den richtigen Weg: Es wird auf keinen Fall teurer als würde man einen Papierfahrschein aus dem Automaten ziehen, sodass man weitere Anreize setzt, zukünftig den Fahrschein mit der App zu kaufen.
Natürlich hat das den Vorteil, dass der Kunde seine eigene Vertriebsinfrastruktur mitbringt und nicht die von den Verkehrsunternehmen finanzierten Verkaufsautomaten nutzt. Dass die Vertriebssoftware zuverlässig funktionieren muss, ist selbstverständlich. Eine App, die den Nutzer immer wieder ausloggt, die plötzlich sagt, man hätte kein Netz oder hinterlegte Fahrscheine nicht findet, ist kontraproduktiv. Hier muss man aber sagen, dass die Apps der Verbünde und Aufgabenträger funktionieren, auch der DB Navigator ist technisch weitgehend ausgereift, Probleme tauchen hier eher selten auf.
Das ist auch notwendig, denn wer einmal mitten in der Fahrt erlebt hat, dass die App nicht funktioniert und plötzlich als Schwarzfahrer dasteht, der ist für einen Umstieg auf digitale Vertriebsarten für lange Zeit verloren. Es fehlt aber noch ein anderer, ganz wichtiger Vorteil des Deutschlandtickets: Wer mit dem Deutschlandticket jeden Tag zur Arbeit fährt, der kann es auch beim Urlaub im Inland nutzen: Also für die Busfahrt am Bodensee, im Allgäu oder an der Nordsee, für die Fahrt mit dem Regionalexpress von Berlin an die Ostsee oder bei Auswärtsspielen seines Fußballvereins.
Das Deutschlandticket lässt sich den Apps der Aufgabenträger und Verkehrsverbünde hinterlegen, aber wichtig wäre, dass auch der eezy.nrw-Tarif außerhalb von Nordrhein-Westfalen funktionieren würde: In Füssen in den Zug ein- und in München aussteigen und das ganze dann mit eezy.nrw abrechnen. Was spricht eigentlich dagegen und warum sollte das nicht auch möglich sein? Das Deutschlandticket sorgt ja gerade dafür, dass die Tarifierung von der Küste bis an den Alpenkamm vereinheitlicht wird und das wäre der logische nächste Schritt. Natürlich müssten dann auch vergleichbare Apps aus Bayern oder Schleswig-Holstein im Ruhrgebiet funktionieren. Aber genau dieser Schritt muss als nächstes gegangen werden, um die Digitalisierung intuitiv zu machen.
Siehe auch: Weitere Bestpreisgarantie bei eezy.nrw
Foto: mobil.nrw / Manuel Grebing