125 Jahre Einmaligkeit
12.01.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
125 Jahre Geschichte ist eine lange Zeit und die wohl bekannteste Anekdote ist die des Elefanten Tuffi, der im Jahr 1950 aus der Schwebebahn in die Wupper gesprungen ist. Manch einer hält das ja für eine urbane Legende, doch das ist tatsächlich passiert: Die Elefantenkuh Tuffi, die bereits im Vorfeld in ganz Deutschland mit Straßenbahnen gefahren ist und sogar Bierkästen zu einer Baustelle transportiert hat, sollte erneut an einer Werbeaktion teilnehmen.
Die Geräuschkulisse im Fahrzeug hat das Tier jedoch in Panik versetzt und Tuffi sprang in die Wupper – wie durch ein Wunder blieb das Tier unverletzt. In den Folgejahren gab es immer wieder Tierhändler, die dem Wuppertaler Zoo Elefanten andrehen wollten, die angeblich Tuffi heißen, doch der Verbleib des Tieres ist geklart: Tuffi lebte noch bis 1989 und verstarb im Winterquartier des französischen Cirque Alexis Gruss.
Als die Schwebebahn im Jahr 1991 ihr neunzigjähriges Jubiläum beging, haben die WSW ein Buch rausgegeben, in dem man stolz verkündet hat, dass die Ausfallzeiten der letzten neunzig Jahre in Prozent nicht messbar gewesen seien. Trotz der Schäden durch zwei Weltkriege und die dazwischenliegende Weltwirtschaftskrise. Man hat nach Bombenangriffen sehr schnell behelfsmäßige Pendelverkehre aufgenommen.
Die bis dato längste Ausfallzeit war in den 1960er Jahren, als auf der Landstrecke in Vohwinkel ein Lastwagen in einen Stützpfeiler geschleudert ist. Seitdem ist jeder Pfeiler auf der Landstrecke zwischen dem Stadion am Zoo und Vohwinkel mit Betonpfeilern geschützt, die selbst schwere Lastwagen halten können. Außerdem hat man in den 1970er Jahren zeitweise eine Wendeanlage hinter der Station Zoo/Stadion betrieben, um Totalausfälle vermeiden zu können.
Die Anlage ist inzwischen wieder Geschichte und die Ausfallzeiten sind deutlich größer. Zum einen hatte man seit der Jahrtausendwende einen vollständigen Neubau der Anlage durchgeführt, inzwischen ist keine Schraube mehr original, alles wurde mindestens einmal ersetzt. Hierbei gab es vor allem Finanzierungsprobleme und es ging um die Frage, ob Kostensteigerungen absehbar waren oder nicht. Was ist überhaupt so eine Schwebebahn wert? Was würde sie kosten, wenn man sie jetzt nochmal bauen würde? Bestenfalls könnte man gucken, mit welchen Beträgen eine solche Anlage versichert ist, aber am Ende ist sie für Wuppertal doch unbezahlbar.
Sie ist ein Wahrzeichen für die Stadt, das Bergische Land, aber auch für ganz Deutschland. Es tut der Bekanntheit keinen Abbruch, wohl aber dem Ruf, wenn man nach mehreren heruntergefallenen Stromschienen teilweise über Jahre keinen Betrieb durchführen kann. Dabei muss man noch immer konstatieren, dass es Glück im Unglück war, wenn „nur“ parkende Autos demoliert, aber keine Menschen getroffen worden sind. In einigen Jahren, bei der Renovierung der Werkstatt in Vohwinkel, steht nun wieder eine längere Sperrung und ein Ersatzverkehr mit Bussen an. Wollen wir hoffen, dass es für viele Jahrzehnte die letzte Betriebspause sein wird.
Siehe auch: Wuppertal: 125 Jahre Schwebebahn
Foto: WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH / Bettina Osswald