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Konkrete Verbesserungen umsetzen

08.12.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Eisenbahnverkehr in Deutschland braucht ein Update und das kostet – ein prägnanter Satz, der einerseits richtig ist, der aber andererseits auch an den Problemen vorbeigeht, denn es reicht nicht, einfach nur „mehr Geld“ zur Verfügung zu stellen. Man kann mit Geld keine Mitarbeiter kaufen, man kann keine Ersatzteile kaufen, die es am Markt nicht gibt und man kann keine Baustoffe oder Baumaschinen kaufen, die es nicht gibt.

Wir hatten vor 15 oder zwanzig Jahren nach der Koch-Steinbrück-Liste eine gänzlich andere Situation als heute: Damals war das Geld nicht in der Kasse, man musste Zugleistungen abbestellen und die Züge standen dann rum. Insbesondere DB Regio musste Personal abbauen und von Personalmangel war keine Rede. Man wusste damals, dass man mit mehr Geld kurzfristig Verbesserungen hätte bestellen können. Das geht heute nicht mehr. Heute sind zahlreiche Eisenbahnverkehrsunternehmen in Notfahrplänen oder sie können wegen der vielen Baustellen ihren Personalmangel kompensieren.

Nicht besetze Stellwerke am Abend sorgen dafür, dass die Verkehrsbetreiber sagen können: Es ist ja ohnehin niemand im Stellwerk, wir können nicht fahren und man braucht gar nicht darüber sprechen, dass das Unternehmen ohnehin nicht genügend Mitarbeiter hat. Das heißt nicht, dass man die Politik einfach aus ihrer (finanziellen) Verantwortung entlassen darf. Selbstverständlich muss die Eisenbahn auskömmlich finanziert werden und selbstverständlich braucht es dafür eine ausreichende Finanzierung durch die öffentliche Hand.

Das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe und neben dem Bund sind auch hier die Länder gefordert: Wer es mit der Verkehrswende und der starken Schiene als Landespolitiker ernst meint, der muss eben auch aus den eigenen Landeshaushalten die Budgets aufstocken, um – wenn das möglich ist – zusätzliche Fahrten auf der Schiene zu bestellen. Immer nur Dinge ankündigen und dann sagen „Aber bezahlen muss es dann der Bund“ reicht nicht.

Gerade wenn man bedenkt, was in den öffentlichen Haushalten für absurde Dinge im In- und Ausland finanziert werden, kann keiner sagen, dass die Schiene hier nicht mindestens genauso wichtig wäre. Hier muss die Branche der Politik gegenüber auch mit einer Stimme sprechen und auf keinen Fall, sollte man den Fehler machen, sich auf die Seite der Länder oder des Bundes zu stellen, sondern man muss immer sagen: Das ganze geht nur gesamtstaatlich und wenn Ihr nicht gemeinsam bereit seid, dafür zu sorgen, dass die Dinge laufen, dann werden wir die vielfach zitierte Verkehrswende nicht hinbekommen.

Ein einfaches Beispiel wäre, wenn Bund und Länder sich darauf einigen könnten, das Deutschlandticket bis 2030 einfach mal preisstabil zu halten. Das wäre mal ein erster Ansatz, wo man sagen könnte: Ja, da kann man konkreten Geldeinsatz bringen und einen Nutzen erwirken, der sofort sichtbar wäre. In jedem Fall muss man attestieren, dass die Eisenbahn nur dann funktioniert, wenn sie politisch ernsthaft gewollt ist. Sonntagsreden reichen nicht.

Siehe auch: Eisenbahnverkehr wieder zuverlässig machen
Foto: NoName_13

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