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Wichtige Punkte

03.11.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Was man bei Mofair angesichts der Präsidiumsneuwahlen angesprochen hat, sind wichtige, aber längst bekannte Punkte. Ja, wir haben zum Beispiel ein Problem im SPFV, der eigenwirtschaftlich einfach nicht funktioniert. Wir sehen es daran, dass schon vor über zwanzig Jahren der InterRegio abgeschafft wurde und zahlreiche Verkehre auf Kosten der Aufgabenträger im Regionalverkehrsbereich bestellt werden mussten.

Auch im Bereich des InterCity belegen die bundesweiten Versuche der DB AG, Regionalisierungsgelder für den Betrieb abzugreifen, dass Eisenbahnleistungen in der Regel mit den Fahrgelderträgen allein nicht auskömmlich finanzierbar sind. Dabei sieht man ja durchaus, dass die Aufgabenträger nach einigen Jahren merken, auf was für dubiose Deals sie sich mit DB Fernverkehr eingelassen haben, wenn sie zwar Geld bezahlen, aber keinen Einfluss auf die Qualitätskontrolle haben und außerdem bei der Einführung des Deutschlandtickets nochmal einen kräftigen Nachschlag leisten mussten.

Wenn jetzt die DB Fernverkehr AG wenigstens profitabel wäre, könnte man sagen: Nun gut, das ist halt ein System, das ein einzelnes Unternehmen betreibt, aber irgendwie funktioniert es schon. Mit einer knappen halben Milliarde Euro Verlust ist genau das aber nicht der Fall. Kein privater Verkehrskonzern der Welt würde so ein defizitäres Angebot aufrechterhalten, sondern das geht nur weil die DB AG als Produkt einer abgebrochenen Eisenbahnreform in Deutschland noch immer ein Zwittermodell aus Staatseisenbahn und Privatkonzern ist.

Aber bislang hat keine Bundesregierung den Mut gehabt zu sagen: Wir müssen hier was ändern. So einen Deutschlandtakt kann man in jeden Koalitionsvertrag reinschreiben, aber er wird auf Basis der jetzigen SPFV-Organisation nicht funktionieren, von der fehlenden Qualitätskontrolle in Ermangelung eines Aufgabenträgers ganz zu schweigen. Stichwort Aufgabenträger: Man muss sehr kurzfristig eine Lösung finden, um die Risiken, die sich in den laufenden Verkehrsverträgen ergeben, fair zwischen Auftragnehmern und Auftraggebern aufzuteilen.

Wenn ein Zug Verspätung hat, weil ein Signal, eine Weiche oder ein Bahnübergang von DB InfraGo (mal wieder) ausfallen, muss das anders behandelt werden als das Verkehrsunternehmen für die Durchführung der Zugfahrten keine Mitarbeiter bereitstellen kann. Das Bauvolumen hat sich in den letzten zehn bis 15 Jahren vervielfacht, also gibt es mehr Streckensperrungen, mehr Umleitungen, mehr Aufwand, mehr Schienenersatzverkehre: Das alles muss finanziert werden und dabei muss man sicherstellen, dass Verkehrsverträge über ihre Laufzeit profitabel bleiben.

Denn was passiert, wenn man das nicht schafft: Dann geht am Ende nur der eine Bundes-Bieter an den Start und der wird Preise aufrufen, bei denen jedes Risiko zigfach inbegriffen ist – und die Abhängigkeit der Aufgabenträger voll ausnutzen. Man muss sich also unter vernunftbegabten Menschen zusammen hinsetzen, die längst bekannten Probleme angucken und Lösungen finden, mit denen alle auf ihre Art gut leben können.

Siehe auch: Mofair wählt Verbandspräsidium
Foto: Mofair e.V.

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