Vorbereitungen trotz schwieriger Rahmenbedingungen
06.11.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Ein Großteil dessen, was über die niederländischen Seehäfen kommt, wird auf der Schiene durch das Aachener Stadtgebiet weitertransportiert. Gleichzeitig läuft auch ein erheblicher Teil des internationalen SPFV zwischen Deutschland, Nordfrankreich und den Benelux-Ländern durch Aachen und weil beide Verkehrsarten berechtigte Interessen auf der Schiene haben, muss man die Voraussetzung schaffen, dass die Infrastruktur all das aufnehmen kann.
Was genau geplant wird, was man vorschlägt und was von den Konzepten später realisiert werden kann, ist nochmal eine andere Frage. Gleichzeitig ist Aachen auch von vielen Berufspendlern geprägt, die mit dem Zug jeden Tag verlässlich zur Arbeit wollen und die auch ein Recht auf einen funktionierenden Regionalverkehr vor Ort haben. Jetzt ist natürlich die Frage: Was wird davon angesichts knapper öffentlicher Haushalte, Schuldenbremse und massiven Baupreissteigerungen durchsetzbar sein?
Natürlich haben wir ja jetzt das große Sondervermögen für die Infrastruktur, doch zum einen werden diese Gelder schneller verbraucht sein als manch einer es jetzt wahrhaben möchte und zum anderen wird gerade das dafür sorgen, dass die Baupreise steigen. In einer Situation, in der es an Baustoffen, Baumaschinen und Bauarbeitern mangelt, tritt die öffentliche Hand als Großnachfrager in den Baumarkt ein und das wird zu massiven Preissteigerungen führen.
Es dürfte also schwierig sein, für den Eisenbahnknoten Aachen nach der Fertigstellung der Planungen konkrete Finanzierungsvereinbarungen auf die Beine stellen zu können. Das machen sich ja viele gar nicht klar: Sobald ein Infrastrukturprojekt positiv bewertet wurde, wird nur die grundsätzliche Förderfähigkeit durch die öffentliche Hand festgestellt. Für die tatsächliche Realisierung bedarf es einer konkreten Finanzierungsvereinbarung, in der Regel mit Bund und Land. Wenn es aber keine entsprechenden Haushaltsmittel gibt, wird eine solche nicht zustandekommen.
Es ist trotzdem richtig und wichtig, für den Eisenbahnknoten Aachen jetzt die Planungen voranzutreiben. In der Planung muss man dafür sorgen, dass man verschiedene Einzelmaßnahmen hat, die ihren Nutzen im Zweifel auch unabhängig voneinander entfalten, sodass man nicht auf den einen großen Wurf warten muss, sondern Verbesserungen auch einzeln auf den Weg bringen kann. Das hat man beim benachbarten Knoten Köln gemacht und fährt damit auch relativ gut.
Nun hat Köln das Potential, dass man bereits am Stadtrand versuchen kann, möglichst viele Einpendler auf die Stadtbahn zu bringen, damit sie mit der „großen“ Eisenbahn gar nicht erst in den Hauptbahnhof fahren müssen, sondern bereits vorher die überlasteten Züge verlassen. Das gibt es in Aachen nicht, wer dort mit dem Zug in die Stadt muss, der muss auch in den Hauptbahnhof. Es ist also wahrscheinlich nochmal anspruchsvoller, sich für Aachen Gedanken über die Zukunftsplanungen zu machen. Abe umso wichtiger ist, dass man sich gut aufstellt und auf die verschiedenen Zukunftsoptionen vorbereitet.
Siehe auch: Bahnknoten Aachen im Fokus
Foto: go.Rheinland GmbH / Smilla Dankert