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Die Interessen aller bewahren

27.11.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Wenn man die DB InfraGo als konzerneigenes Unternehmen sieht, ist es naheliegend, dass der Aufsichtsrat auf der Arbeitgeberseite durch Mitglieder des Konzernvorstandes besetzt wird. Doch mit der Gründung von DB InfraGo sollte doch angeblich alles anders werden: Nicht die alte DB Netz AG wurde umbenannt, sondern das Ziel war ein gemeinnütziges Infrastrukturunternehmen, das nicht der Rendite, sondern der Sache verpflichtet ist, aber trotzdem unter dem Dach des DB-Konzerns bleibt.

Es war also ein Kompromiss und wenn diese Infrastrukturgesellschaft jetzt tatsächlich der Qualität der Infrastruktur verpflichtet ist, dann wäre es angezeigt und notwendig, dass auch Vertreter der Verkehrsunternehmen im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen und zwar nicht nur der DB-Verkehrsunternehmen. Jeweils mindestens ein Mandat sollte durch Mofair, ein weiteres durch den Güterbahn-Verband und ein drittes durch den Bundesverband Schienennahverkehr besetzt werden.

Das sind drei von insgesamt 24 Mandaten, wobei die paritätische Besetzung mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern natürlich selbstverständlich erhalten bleibt. Es kann doch nicht sein, dass die Nutzer dieser Infrastruktur vollständig außen vor bleiben. Dabei haben ja die Wettbewerbsbahnen durchaus schon lange eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit DB InfraGo bzw. früher mit DB Netz, weil man auch konzernexterne Unternehmen als Kunden sieht und weil der Infrastrukturbetreiber immer schon profitiert hat, wenn der Aufgabenträger aufgrund der hohen Nachfrage zusätzliche Züge bestellt.

Aber es gibt einige natürliche Sollbruchstellen, weil gegenseitige Interessen vorliegen und das kann man versuchen zu kitten, indem man Vertreter der verschiedenen Verkehrssparten in den Aufsichtsrat entsendet, um dort auch deren Interessen zu vertreten. Immerhin sprechen wir von einem gemeinnützigen Infrastrukturunternehmen, das eben gerade nicht mehr die Rendite für den Gesamtkonzern „erwirtschaften“ muss.

Zumal wir hier in den kommenden Jahren von Problemfeldern sprechen, deren Intensität sich verschärfen wird: Die Bauintensität wird sich weiter erhöhen, aber auch immer mehr Baumaßnahmen laufen Gefahr, sich zu verzögern. Wir haben gerade eine zehntägige Sperrung des Kölner Hauptbahnhofes hinter uns, die notwendig wurde, um das ESTW Köln in Betrieb zu nehmen. Die Sperrung hat stattgefunden, aber die Inbetriebnahme des ESTW musste verschoben werden und – als hätte man es geahnt – mit der tatsächlichen Inbetriebnahme geht eine neuerliche Sperrung einher.

Gleichzeitig erleben wir, dass es trotz massiver Bauaktivitäten eine insgesamt verfallende Infrastruktur gibt: Signal-, Weichen- und Bahnübergangsstörungen sind oft an der Tagesordnung und bringen die Fahrpläne durcheinander. Es wird nicht gerne drüber gesprochen, aber es ist ein reales Thema. Hier muss man in der Branche gemeinsame Lösungen finden, mit denen sich alle irgendwie arrangieren können und durch diese Aufsichtsratsbesetzung hat man eine Chance verpasst.

Siehe auch: Debatte um InfraGo-Aufsichtsrat
Foto: Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee

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