Ein Vierteljahrhundert für die Eisenbahn
27.10.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Als die Allianz pro Schiene vor einem Vierteljahrhundert gegründet wurde, hatten wir ganz andere Rahmenbedingungen als heute. Wann genau das ursprüngliche Ziel der Eisenbahnreform, den Verkehrsträger Schiene zu stärken, durch das Credo „Bahn an die Börse“ ersetzt wurde, lässt sich nur noch schwer nachvollziehen, aber es war in genau ebenjener Zeit. Damals, als man dachte, es sei irgendwie „modern“, wenn die Infrastruktur privatisiert wird und der Verkehr darauf sowieso.
In der kurzen Festschrift sagt der Verband, der Zeitgeist sei damals „neoliberal“ gewesen. Über solche Schlagworte konnte man in den Nullerjahren genauso streiten wie heute und ein wenig mehr Marktwirtschaft ist sicherlich nicht schädlich, auch nicht auf der Schiene. Aber gerade im Rahmen dieser Marktwirtschaft spielt der Staat dauerhaft eine wichtige Rolle: Er bestellt den Personenverkehr auf der Schiene, der wird nicht einfach so am Markt erstellt.
Auch der Fernverkehr wird, so will es das Grundgesetz, vom Bund gewährleistet. Dass das dort geforderte Bundesgesetz heute noch nicht existiert, liegt tatsächlich am damaligen Zeitgeist. Man ging davon aus, dass es überall dort kein Verkehrsbedürfnis gäbe, wo die damalige DB Reise und Touristik AG nicht bereit war, eigenwirtschaftlich zu fahren. Davon geht man, zumindest de jure, heute noch aus, denn ansonsten hätte man längst ein Fernverkehrsgesetz und eine bundeseigene Aufgabenträgerschaft. Übrigens, das ist ein Punkt, von dem die Allianz pro Schiene leider bislang selten gesprochen hat, aber wahrscheinlich will man hier auch nicht auf den Konfrontationskurs mit der DB AG gehen.
Dabei hat der Verband im letzten Vierteljahrhundert vielleicht doch das eine oder andere mal auch übertrieben, aber das ist nun einmal die Aufgabe von Interessenverbänden. Dass die Allianz pro Schiene mehr Geld für die Eisenbahn fordert, liegt in der Natur der Sache. So wie ja auch die Interessenvertretungen von Beamten und Angestellten der öffentlichen Hand ständig mehr Personal fordern oder so wie der Mieterbund dauerhaft mehr Rechte für Mieter fordert, während es bei Haus und Grund umgekehrt ist. Sollte die Allianz pro Schiene irgendwann sagen „Jetzt ist die Eisenbahn aber auskömmlich finanziert“ würde sie ihre Funktion nicht mehr wahrnehmen.
In den letzten 25 Jahren hat man zudem einige wichtige Dinge ins Rollen gebracht: Wir sprechen in Deutschland nicht nur über Eisenbahnreaktivierungen, sondern wir führen sie erfolgreich durch. Die Allianz pro Schiene begleitet das und wir sehen, dass ein Projekt erfolgreicher ist als das andere. In der Regel ist die Nachfrage größer als selbst optimistische Gutachter ausrechnen und wenn man dann noch gelegentlichen Güterverkehr auf reaktivierten Eisenbahnstrecken hat, dann steigt der gesamtwirtschaftliche Nutzen solcher Projekte erst recht. Mit den Auszeichnungen der Bahnhöfe des Jahres und der Eisenbahner der Herzen wird das Image der Schiene insgesamt besser. Die Eisenbahn ist ein guter Verkehrsträger und der Umstieg lohnt sich schneller als so manch einer denkt.
Siehe auch: 25 Jahre Allianz pro Schiene
Foto: marcelkessler