Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

  • Schlagwörter

Diese Eskalation ist neu

30.10.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Grundsätzlich ist es ja so: Niemand kann nachvollziehen, ob ein Unternehmen wirklich zu wenig Personal hat oder ob man die Züge aus anderen Gründen stehenlässt. Es ist sicherlich kein Versehen bei National Express, dass das Rundschreiben an die Mitarbeiter an die Öffentlichkeit kommt, denn natürlich hat ein solches immer auch den Charakter einer Pressemeldung. Jeder weiß jetzt: Es war nicht der Personalmangel, es war eine bewusste Entscheidung, die Züge stehen zu lassen, um Druck auszuüben in den laufenden Verhandlungen um Vertragsanpassungen.

So wie die Gewerkschaft in Tarifverhandlungen Druck ausübt, indem sie zu Warnstreiks aufruft oder auch zu längeren Ausständen. Das gab es vorher nicht, das ist neu in der Eisenbahnbranche, dass ein Unternehmen nicht passiv bestreikt wird, sondern selbst aktiv den Betrieb einstellt. Doch man spielt ein gefährliches Spiel: Die Züge im RRX-Netz stehen im Eigentum der Aufgabenträger und die die Instandhaltung erfolgt durch separate Verträge mit dem Hersteller Siemens am Standort Dortmund.

Eine Vertragskündigung dürfte also durchaus einfacher sein als bei anderen Konstellationen, in denen die Fahrzeuge in den Werkstätten des Betreibers instandgehalten werden und entweder in dessen Eigentum stehen oder aber von diesem bei Leasinggesellschaften gemietet sind. Die beiden Aufgabenträger NWL und VRR haben mit der Eurobahn und der Düsseldorfer Regionbahn inzwischen auch ihre eigenen Eisenbahnverkehrsunternehmen, die man durchaus aktivieren kann. Sollte es also gelingen, die Mitarbeiter von National Express abzuwerben, dann könnten diese beiden Aufgabenträger-eigenen Verkehrsunternehmen kurzfristig die Leistungen übernehmen.

Im VRR hat man auch aus diesem Grund die Regiobahn übernommen, weil man ein eigenes Eisenbahnverkehrsunternehmen haben wollte, das man im Zweifel beauftragen kann ohne auf andere angewiesen zu sein. Wir alle wissen, dass die Bundes-Bahn AG, sobald sie ohne Konkurrenten dasteht, Preise jenseits von gut und böse aufruft (In der Wüste ist das Wasser teurer) und auch bei Wettbewerbsbahnen kann es zu unangenehmen Abhängigkeiten kommen. Dadurch, dass der NWL die Eurobahn erhalten wollte, hat man das defizitäre Unternehmen selbst übernommen, aber auch hier gibt es jetzt die strategische Möglichkeit zu sagen: Wir fahren unsere Züge selbst, wir haben unser eigenes Unternehmen.

National Express geht damit ins Risiko, denn die Abhängigkeit der Aufgabenträger ist gerade im RRX-Bereich nicht so hoch wie bei anderen Vergabenetzen. Es gab zudem auch schon Situationen, da haben die Aufgabenträger und die Betreiber ihre Verkehrsverträge im gegenseitigen Einvernehmen vorzeitig aufgelöst. Bei der Neuvergabe kann sich der bisherige Betreiber dann wieder bewerben; oder auch nicht, auch der Ausschluss von einer solchen Bewerbung kann vereinbart werden. Nur das, was hier gelaufen ist, das sollte nicht zur Regel werden, hier müssen Lösungen her, die den Betrieb sicherstellen.

Siehe auch: Aufgabenträger kritisieren National Express
Foto: Kompetenzcenter Marketing NRW

Kommentare sind geschlossen.