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Die Verkehrswende braucht eine solide Grundlage

09.10.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Kernbotschaft der aktuellen Kantar-Studie spricht eine klare Sprache: Wenn die Tarifstruktur und Angebotsverfügbarkeit ein stimmiges Gesamtbild ergeben, verbessert das die Wahrnehmung des Preis-Leistungs-Verhältnisses und die Leute steigen auch dann auf öffentliche Verkehrsmittel um, wenn sie nicht in jedem Fall darauf angewiesen sind – es gibt nicht nur die Captive Rider, also die, die ohne ÖPNV gar nicht fahren würden, sondern auch die, die sich von einem guten und zuverlässigen Angebot überzeugen lassen.

Wer verlässlich zur Arbeit kommen muss, dem ist im Zweifel auch egal, ob so ein Bus mit Dieselkraftstoff fährt, einen Elektromotor hat oder bei Brennstoffzellenbussen reiner Wasserdampf aus dem Auspuff kommt. Er möchte, dass der Bus pünktlich fährt und in einer angemessenen Fahrtzeit ans Ziel kommt. Das gilt auch auf der Schiene: Natürlich ist es ökologisch und ökonomisch ärgerlich, wenn unter dem Fahrdraht in Dieseltraktion gefahren wird, weil auf der Gesamtstrecke kurze Abschnitte nicht elektrifiziert sind, aber für den Fahrgast ist ein gutes Angebot einfach wichtiger.

Nehmen wir einfaches Beispiel: Im hessischen Taunusnetz wollte man konventionelle Dieseltriebzüge auf Wasserstofftraktion umstellen und es gibt seit Jahren erhebliche Probleme mit den Fahrzeugen. Es gibt Materialengpässe bei Ersatzteilen und technische Probleme bei den Brennstoffzellen. Andere Netze in Nord- und Ostdeutschland haben zwar funktionierende Wasserstoffzüge, aber hier hat es zeitweise am Wasserstoff gefehlt.

All das ist für die Fahrgäste ärgerlich und sorgt dafür, wenn es kein hundert Prozent funktionierendes Ersatzkonzept gibt, dass derjenige, der es kann, wieder aufs Auto umsteigt. Wer es nicht kann, der wartet im Zweifel auch länger auf seinen Zug, aber Verkehrswende heißt ja nicht, dass diejenigen fahren, die sonst keine Möglichkeit haben, sondern dass auch diejenige öffentliche Verkehrsmittel nutzen, die mit dem Auto fahren könnten, es aber freiwillig nicht tun, weil das Angebot so gut ist.

Deshalb ist es wichtig, dass man im Sinne starker öffentlicher Verkehrsmittel die grundständigen Probleme löst: Dass man dauerhaft genügend Personal hat, bundesweit die Soll-Fahrpläne einzuhalten, und zwar die richtigen Soll-Fahrpläne und nicht irgendwelche Notfahrpläne. Man muss dafür sorgen, dass die Stellwerke besetzt sind und nicht unerwartete oder geplante Zugausfälle das Angebot verschlechtern, weil es keine Fahrdienstleiter gibt. Gleichzeitig muss die Tarifierung gerade für Neukunden gut zu durchschauen sein.

Hier hat man die Chancen der Digitalisierung bundesweit genutzt und dafür gesorgt, dass es neben dem Deutschlandticket auch überall relativ einfach zu nutzenden Apps gibt. Einsteigen und einchecken, aussteigen und auschecken und niemand muss Angst haben, an kaputten oder verdreckten Fahrscheinautomaten zu verzweifeln. Mit dem Deutschlandticket hat man zudem ein preisgünstiges Angebot für jedermann – das gerade deshalb dauerhaft auf eine zumindest relative Preisstabilität angewiesen ist.

Siehe auch: Aktuelles ÖPNV-Kundenbarometer publiziert
Foto: pixabay

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