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Auch kleinere Forderungen durchsetzen

23.10.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Als man vor über dreißig Jahren mit der Eisenbahnreform angefangen hat, wollte man die Schiene als Verkehrsträger stärken. Aus der alten Bundesbahn war eine bundeseigene Aktiengesellschaft geworden und es gab jede Menge fundamentale Veränderungen, die aber für viele politische Verantwortungsträger kompliziert zu verstehen sind: Es gibt zwar noch die DB AG, sie ist aber im Nahverkehr nur noch der Lohnkutscher im Auftrag der regional zuständigen Aufgabenträger, während sie den Fern- und Güterverkehr eigenwirtschaftlich betreibt und darüber hinaus auch für die Infrastruktur verantwortlich ist.

Viele Wettbewerbsbahnen haben ihren Weg auf die deutsche Schiene gefunden und dazu beigetragen, dass der Nahverkehr wieder bezahlbar wird und gleichzeitig die Qualität massiv gestiegen ist. Noch vor einer Generation waren Züge auf der Schiene unterwegs, die sich die jungen Leute heute gar nicht mehr vorstellen können. Die Hauptbahnhöfe waren oft keine Visitenkarten der Stadt, sondern Rauschgiftumschlagplätze, in denen es gerochen hat wie in öffentlichen Toiletten; viele wurden auch als solche genutzt.

Hier hat sich sehr viel positives getan, aber trotz allem ist die DB AG in ihrem jetzigen Ist-Zustand weder Start- noch Zielpunkt, sondern sie ist das Produkt einer abgebrochenen Eisenbahnreform. Als man kurz nach der Jahrtausendwende das Ziel „mehr Verkauf auf die Schiene“ durch „Bahn an die Börse“ ersetzt hat, wurde das Thema auf einmal relevant: Was machen wir mit der Infrastruktur? Sie kostet viel Geld und kann einen börsennotierten Verkehrskonzern potentiell belasten.

Auf der anderen Seite wollten gerade die Arbeitnehmervertreter immer den integrierten Konzern behalten. Das führte zu der absurden Situation, dass die damalige Gewerkschaft Transnet mit ihrer Befürwortung des Börsengangs nicht nur innerhalb des DGB für massive Probleme gesorgt hat, sondern auch die weltweit einzige Eisenbahnergewerkschaft war, die jemals irgendwo die Privatisierung der Eisenbahn befürwortet hat.

Doch auch dieses Kapitel ist vorbei, niemand spricht mehr von einem Börsengang der DB AG, wenn man also eine Trennung von Netz und Betrieb diskutiert, dann nicht mehr vor dem Hintergrund eines an der Börsen verkauften DB-Konzerns, sondern um die grundsätzliche Frage, was man in Deutschland eisenbahnpolitisch künftig plant und wo man mit dem Verkehrsträger Schiene hinfahren möchte.

Die zentrale Forderung aber, dass auch Vertreter der Wettbewersbahnen im Personen- und Güterverkehr im Aufsichtsrat von DB InfraGo vertreten sein müssen, muss unabhängig von der Frage erfüllt werden, ob es ein Konzernverbundunternehmen bleibt oder nicht. Die Eisenbahnlandschaft ist weit mehr als nur „die Bundesbahn“ und natürlich braucht es auch Interessenvertreter der Kunden. Ja, die Wettbewerbsbahnen sind genauso Kunden von DB InfraGo wie die Konzernschwesterunternehmen. Selbst wenn der große Wurf also (wieder) nicht gelingt, so gilt es doch, die notwendigen Forderungen auch im kleinen zu kommunizieren und durchzusetzen.

Siehe auch: Verbände fordern unabhängige Infrastruktur
Foto: Deutsche Bahn AG / Georg Wagner

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