Ob diese Vision Realität wird?
08.09.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Das Thema autonomes Fahren ist vor allem auf der Schiene nichts neues. Es gibt schon lange autonome Systeme im Bereich der U-Bahn oder auch der Hängebahn: Man denke an die beiden Schwebebahnen am Düsseldorfer Flughafen oder an der Dortmunder Universität; wobei letztere ja aktuell vor einem deutlichen Ausbau steht. Bei der Wuppertaler Schwebebahn ist der automatisierte Betrieb nicht an der Technik gescheitert, sondern an den Evakuierungswegen.
Da nicht die gesamte Anlage durch die Drehleiter der Feuerwehr zu erreichen ist, müsste eine mögliche Evakuierung an Teilen der Strecke über das Gerüst erfolgen und dafür bedarf es mindestens eines qualifizierten Mitarbeiters, der beständig an Bord sein muss. Auch bei der Eisenbahn stellt sich nicht die Frage, was im Regelbetrieb passiert, sondern was im Störungs- oder Ausnahmefall geschieht.
Was ist, wenn ein defekter oder brennender Zug auf der freien Strecke evakuiert werden muss? Wie geht man damit um, wenn ein Zug einen Personen- oder einfach nur einen Wildunfall hat und der nächste menschliche Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens ist erst nach einer längeren Anreise mit dem Auto vor Ort? Ist das wirklich realistisch und falls ja, ist das in Deutschland umsetzbar?
Klar, in der Regel hört man die Diskussion immer dann, wenn die GDL zu Streiks aufruft. Parallel dazu kündigt die DB AG an, dass man die Forschungsetats in diese Richtung jüngst verdreifacht habe oder ähnliches in diese Richtung und nach der Tarifeinigung ist das Thema auf einmal vom Tisch. Jetzt steht es natürlich im Zusammenhang mit dem jüngsten Hype um die künstliche Intelligenz, die seit ein paar Jahren in aller Munde ist.
Natürlich ist es richtig und wichtig, dass die deutsche ÖV-Branche die wissenschaftliche Arbeit in der Praxis begleitet: Dass man Testversuche macht, auch mit Fahrgäste, und vielleicht ist irgendwann ein autonomer Bus auch im Straßenverkehr vorstellbar. Doch können wir wirklich davon ausgehen, dass der massive Mangel an Fahrpersonal auf der Schiene und Straße in absehbarer Zeit durch autonomes Fahren kompensiert wird? Werden wir den in den Ruhestand ausscheidenden Busfahrer durch den Kollegen Computer ersetzen können?
Ich habe da gewisse Zweifel, sondern bestenfalls ist das ein Thema für eine fernere Zukunft. Die ist vielleicht näher als man es heute denkt und womöglich ist das Bedenken auch eher subjektiv. Aber würden Sie denn in einer Stadt wie Düsseldorf, Köln, München oder Berlin in einen fahrerlosen Bus steigen, in der Hoffnung, dass dieser die rote Ampel, den vorfahrtswidrigen Linksabbieger im Verkehr oder das Kind auf der Straße rechtzeitig erkennt?
Natürlich kann es explodierende Entwicklungen und Fortschritte geben, die man jetzt noch nicht auf dem Schirm hat. Auf der anderen Seite entbindet das die Eisenbahn- und ÖPNV-Branche nicht von ihrer Pflicht, das Problem des fehlenden Personals vernünftig anzugehen und sich nicht darauf zu verlassen, dass in wenigen Jahren alles automatisiert verläuft. Man braucht auf jeden Fall gute Mitarbeiter.
Siehe auch: PwC stellt Robo-Bus-Radar 2025 vor
Foto: Deutsche Bahn AG / Julia Unkel