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Die Probleme sind vielschichtig

22.09.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Wir werden digitaler, internationaler und flexibler. Aha, das sind natürlich jetzt keine so bahnbrechenden Erkenntnisse, man könnte es glatt als triviale Binsenweisheit bezeichnen. Die Automatisierung der Eisenbahn findet statt, seit es sie gibt: Anfangs hatte noch jede Lokomotive eine zweiköpfige Besetzung und jeder Waggon einen eigenen Bremser.

Die Leit- und Sicherungstechnik lief vollmechanisch. Inzwischen sprechen wir über autonome Züge ganz ohne Personal, über KI im Stellwerk und vieles mehr. Die Entwicklung dahin läuft seit der ersten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts und natürlich wird man sich da überlegen müssen, welche Rolle der Mensch in Zukunft spielt und wo der „Kollege Computer“, der jetzt KI genannt wird, wichtiger wird.

Bereits seit längerer Zeit wird der Triebfahrzeugführer von einem aktiven Fahrer mehr und mehr zu einem Überwacher – aber einer, der dann auch an Bord sein muss und der die Möglichkeit hat, die Software zu jeder Zeit zu überstimmen. Das gleiche gilt auch in der Stellwerkstechnik: Auch hier ist es natürlich naheliegend, dass nicht jede einzelne Fahrstraße von Hand eingestellt wird, sondern dass der Computer erkennt, welche Züge kommen, wer Vorrang hat und wer im Zweifel warten muss.

Auch hier kann der Fahrdienstleiter der Beobachter sein, der aber eingreifen kann, wann immer er es für richtig hält. Natürlich gehört dazu auch der weitere Ausbau von ESTW und DSTW, sodass diese bundesweit die Regel sind – denn die weitere Automatisierung muss auch ein Teil der Personalfrage sein. Man muss Leute einstellen, man muss Leute halten und die Fluktuation verringern, aber man muss auch dafür sorgen, dass der Personalbedarf bei steigendem Verkehrsaufkommen auf der Schiene mindestens mal konstant bleibt und nicht anwächst und vielleicht sogar zurückgeht.

Nun ist die KI sehr wahrscheinlich nicht der so große Gamechanger, wie manche Technik-Optimisten es immer wieder glauben. Aber sie kann natürlich eine Rolle spielen. Ebenso eine Rolle spielt die Frage, inwieweit man auch Personal im Ausland anwirbt. Doch auch im Ausland wachsen die gut ausgebildeten Mitarbeiter nicht auf den Bäumen, sondern wer sich entscheidet, nach Europa zu kommen, der hat die Wahl und Deutschland ist nur eine davon.

Wer in Süd- oder Mittelamerika als Muttersprache spanisch oder portugiesisch spricht und als Fremdsprache englisch gelernt hat, der hat in Deutschland eine fast unüberwindbare Sprachbarriere. Wieso also sollte ein Brasilianer nach Köln oder Dresden kommen, wenn er auch in Estoril oder Lissabon als Busfahrer arbeiten kann und wenn er in Manchester oder Liverpool zumindest schon Kenntnisse in der Sprache hat?

Welche Rolle spielen zudem bereits vorhandene Arbeitnehmer in Deutschland, die sich entscheiden, selbst auszuwandern? Die Schweiz oder auch die Vereinigten Staaten, Kanada oder die skandinavischen Länder suchen auch gute Leute und sind beliebte Auswanderungsziele. Auch hier steht man also im Wettbewerb und das muss man sich klarmachen.

Siehe auch: VDV veranstaltet zwölften Personalkongress
Foto: Stadtwerke Augsburg GmbH

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