Was für ein Irrsinn
11.08.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Wenn sich die Kosten und die Bauzeit für Stuttgart 21 verdoppelt hätten, dann wäre man im Eröffnungsjahr 2024 und bei etwas mehr als neun Milliarden Euro rausgekommen. Jetzt haben wir 2025, die Eröffnung wurde mehrfach verschoben und wir sind bei 13 Milliarden Euro, wobei das Ende der Fahnenstange womöglich noch gar nicht erreicht ist. Selbst wenn der DB-Konzern das Geld angeblich sicher zurückgelegt hätte, so wissen wir doch alle über deren desolaten Finanzzustand und natürlich fehlt das Geld an anderer Stelle, sei es in Baden-Württemberg oder woanders in der Republik.
Stuttgart 21 ist daher in der Tat eine existentielle Gefahr für zahlreiche andere Infrastrukturprojekte, selbst wenn die Mehrkosten jetzt nicht die öffentliche Hand, sondern die DB AG belasten. Überhaupt muss man wohl sagen, dass ein strategischer Fehler des Konzerns war, dass man einfach weitergebaut hat, als das Land Baden-Württemberg das Projekt nicht mehr wollte. Selbstverständlich gelten geschlossene Verträge und natürlich muss sich eine Nachfolgeregierung auch die Vereinbarungen halten, die die Vorgängerregierung abgeschlossen hat. Das nennt man Rechtssicherheit und dazu steht auch jeder.
Aber wenn doch ein Projektpartner sagt: Wir möchten nicht mehr, dann muss man sich überlegen, ob ein Änderungsvertrag nicht auch im eigenen Sinne wäre. Man hätte z.B. warten können bis eine andere Regierung ihre Meinung erneut ändert und dann auch gestiegene Kosten mit aufnehmen können. Jetzt steht Baden-Württemberg Anfang nächsten Jahres wieder vor einer Landtagswahl und der amtierende Ministerpräsident wird nicht erneut antreten.
Aber selbst wenn es im Ländle heute in einem Jahr eine Landesregierung geben sollte, die komplett auf der Seite des Projektes steht, hätte diese überhaupt keinen Grund, sich an den gestiegenen Kosten zu beteiligen, nachdem bereits das Oberverwaltungsgericht klar und deutlich gesagt hat, dass das nicht notwendig ist. Die DB AG hat mit ihrem Weiterbau natürlich auf ihr eigenes Risiko hoch gepokert und ist jetzt endgültig gescheitert.
Die älteren werden sich erinnern, dass das Projekt sich ursprünglich aus den Immobilienverkäufen selbst finanzieren sollte. Davon hat jedoch schon beim Beginn der großen Proteste im Jahr 2010 kein Mensch mehr gesprochen. Ja, das war damals so: Mehrkosten entstehen nicht, weil die vorhandenen Areale sehr gewinnbringend veräußert werden können. Die Verkäufe sind jetzt zwanzig Jahre und länger her, das Geld ist längst vereinnahmt und verplant.
Es handelt sich auch tatsächlich eher um ein Immobilien- und Stadtentwicklungsprojekt anstatt um ein Eisenbahnprojekt. Es gab kurz nach der Eisenbahnreform eine ganze Reihe an 21er-Projekten in Deutschland, auch etwa in Frankfurt am Main oder München, ein weiteres in Lindau am Bodensee. Alle diese Projekte sind noch während der Planung als unrealistische und sündhaft teure Traumtänzerei aufgegeben und durch sinnvollere Nachfolgeprojekte ersetzt worden. Nur bei Stuttgart 21 hat man durchgezogen – zu unermesslichen Preisen.
Siehe auch: Stuttgart 21: DB AG muss Mehrkosten finanzieren
Foto: Deutsche Bahn AG / Jannik Walter