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Problemlösungen rechtzeitig vorbereiten

25.08.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Es ist richtig und wichtig, dass die Qualität auch im kommunalen Verkehr überprüft und evaluiert wird. Was seit etwa 15 Jahren im SPNV normaler Standard ist, ist im Bereich der kommunalen Verkehrsunternehmen bislang vernachlässigt worden. Viele Kommunen scheuen Wettbewerbsvergaben auch deshalb, weil sie glauben, dass sie bei privaten Betreibern eine eigene Stelle zur Qualitätskontrolle einrichten müssten.

Doch wie geht man mit Schlechtleistungen bei Kommunalmonopolisten oder deren privaten Subunternehmen um? Häufig ist den Kommunen gar nicht bekannt, dass sie als Aufgabenträger nicht nur alle 15 Jahre eine neue Konzession oder Beauftragung durchführen müssen, sondern auch für die Qualitätskontrolle zuständig sind. In Köln ist das anders und das ist auch gut so, denn natürlich muss die Qualität des ÖPNV in einer Millionenstadt überprüft und an vorher definierten Qualitätskriterien erfasst werden.

Kann man der Unternehmensführung der KVB AG einen Vorwurf machen, dass die Züge des Herstellers Alstom, die 2023 auf der Schiene stehen sollten, wegen Lieferengpässen nicht da sind? Sicher nicht direkt, aber man hätte spätestens 2020 damit rechnen müssen, dass Lieferketten zusammenbrechen, dass Komponenten nicht verfügbar sind und vieles mehr. Jetzt hat man weitere Züge bei Stadler bestellt, Vorbereitungen auf mögliche Lieferverzögerungen sind Fehlanzeige.

Es ist ja ein anderer Hersteller – und das stimmt sogar, aber wieso sollte Stadler nicht auch von fehlenden Komponenten betroffen sein, weil Zulieferer ihre Verträge nicht einhalten können? Man muss zumindest einkalkulieren, dass es zu Problemen kommen könnte und sich entsprechend vorbereiten. Es wäre definitiv besser, einen Plan B zu haben als irgendwann einen Plan B zu brauchen.

Hier wäre aber insbesondere auch die Stadt Köln gefragt, die sowohl Aufgabenträger als auch Alleinaktionär der KVB AG ist, sich dem Thema anzunehmen und dafür zu sorgen, dass solche Dinge geschehen – das ist im Zweifel eben nicht die Entscheidung einer Geschäftsführung, sondern eine politische Frage, an dessen Ende das Unternehmen umsetzt, was vorgegeben wird und keinen Eigenwillen hat.

In anderen Fragen klappt die Zusammenarbeit ja auch, etwa wenn man über den Zustand der U-Bahnstationen im Innenstadtbereich spricht. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, wenn dort suchtkranke oder obdachlose Menschen sind und gerade im Winter ist eine Übernachtung in der U-Bahnstation sicherlich besser als der Kältetod. Hier sind die Politik, die Polizei, die Ordnungs- und Sozialbehörden gefragt – die KVB AG kann hier nur ihren Teil dazu beitragen.

Ein Verkehrsunternehmen kann sich keine Gedanken darüber machen, wie man die Probleme der Obdachlosigkeit in einer Großstadt oder des öffentlichen Rauschgiftkonsums lösen kann. Aber die KVB AG kann ihren Teil dazu beitragen, denn sie bewirtschaftet die zahlreichen U-Bahnstationen. Hier muss sie ihren Beitrag leisten für eine gesamtgesellschaftliche Problemlösung, wo Weggucken und ignorieren nicht mehr reicht.

Siehe auch: KVB AG legt Qualitätsbericht vor
Foto: Kölner Verkehrsbetriebe AG / Matthias Pesch

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