Die Potentiale der KI nutzen
14.08.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Natürlich ist ein direkter persönlicher Kontakt schöner als wenn man mit einem Computer spricht. Doch seien wir ehrlich: Wo ist der Unterschied zwischen der Videotelefonie mit einem echten Menschen und einer künstlichen Intelligenz? Sie ist nicht mehr so groß und wir haben es längst nicht mehr mit einfachen Befehlsketten in der Computer-Software zu tun, sondern mit komplex nachgebauten menschlichen Gehirnen. Die KI ist daher durchaus das Potential, das man heben muss, auch Reisezentren in manchen Bahnhöfen dauerhaft zu retten.
Der persönliche Verkauf am Schalter ist teuer, aber die Nachfrage bricht ein, weil immer mehr Fahrgäste sich ihre Fahrscheine im Internet oder auch kurzentschlossen am Automaten kaufen, jedenfalls nicht mehr klassischerweise. Es gibt aber nach wie vor Bahnkunden, die sich am Computer oder in der App unsicher fühlen oder die auch einfach nicht wissen, wonach sie im Internet suchen müssen. Da landet jemand aus Los Angeles oder Chicago in Berlin und braucht jetzt ein Zugticket.
Da ist es naheliegend, wenn ein mehrsprachiger KI-Verkaufsautomat denjenigen umfassend berät. Du kommst vom Berliner Flughafen mit dem und dem Zug ans Ziel, hier ist Dein Ticket. Hast Du noch jemanden dabei? Wie viele Personen seid Ihr und wollt Ihr vielleicht nach der ersten Nacht im Hotel innerhalb Deutschlands noch weiterreisen? Das alles kann man ganz ohne Personalaufwand machen und genau das ist auch gemeint, wenn davon die Rede ist, dass die KI-Revolution die Arbeitswelt genauso verändern wird wie die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert.
Können Fehler passieren, wenn eine KI ein Beratungsgespräch mit einem potentiellen Fahrgast durchführt? Wahrscheinlich schon und im Zweifel muss der lebendige und beseelte Mensch die KI kontrollieren können. Aber seien wir ehrlich: Wie oft sind an Verkaufsschaltern schon überteuerte oder einfach falsche Fahrscheine verkauft worden? Wie viele Fälle sind erfasst, wo jemand am Schalter ein Ticket verlangt und eins bekommen hat, aber in der Kontrolle war es das falsche und schon war derjenige im Zug mindestens mal ein Grau-, vielleicht sogar ein Schwarzfahrer.
Gerade wenn man ÖPNV-Tickets an Tankstellen, Lottobuden und sonstwas vertreibt, kann es immer passieren, dass jemand auf dem Weg von Wuppertal nach Bonn einen Fahrschein kriegt, der ab Leverkusen nicht mehr gilt. Das gilt umso mehr bei Verständnisproblemen, wenn ein Verkäufer mit deutscher und ein Kunde mit irgendeiner Muttersprache kommunizieren und beide nur rudimentäre Englischkenntnisse haben.
Eine mehrsprachige KI kann da Abhilfe schaffen und sollte perspektivisch flächendeckend die Regel sein. Es sollte hier auch keine Einschränkungen bei den Öffnungszeiten geben, denn auch die normalen Verkaufsautomaten, die seit Jahrzehnten an den Bahnsteigen stehen, sind rund um die Uhr bedienbar. Dazu kommen digitale Bezahlmöglichkeiten und Bargeldannahme in gängigen Währungen. Dann kann die KI den Fahrscheinvertrieb stark verbessern.
Siehe auch: KI-Software Kiana berät am BER
Foto: Deutsche Bahn AG / Max Lautenschläger