Auf der Schiene über die Grenze
21.08.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Im vereinten Europa ist es überhaupt kein Problem, mit dem Auto von Bayern nach Tschechien zu fahren. Wer aus München nach Prag möchte, braucht am Grenzübergang schon lange nicht mehr zu warten, für die Einreise reicht ein Personalausweis und aller Wahrscheinlichkeit nach wird nicht einmal der irgendwo verlangt. Für Autofahrer also macht sich die Grenze bestenfalls durch ein Schild an der Autobahn bemerkbar. Wenn man jetzt aber so eine Fahrt auf der Schiene machen will, dann muss es das logische Ziel sein, genau die gleiche problemlose Reise zu machen.
Die Fahrt muss auf einem Ticket möglich sein, möglicherweise kann man Regelungen finden, nach denen das Deutschlandticket bis weit nach Tschechien gilt und auf Verbundebene ist eine gegenseitige Anerkennung noch wichtiger. Dabei geht es nicht nur um die Fahrt aus München oder Nürnberg nach Prag, sondern auch die Grenzregion muss vernünftig miteinander verbunden sein: Von Marktredwitz nach Cheb, von Karlsbad nach Weiden in der Oberpfalz und vieles mehr: Was mit dem Auto relativ schnell geht, lässt sich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln lösen.
Das gilt im übrigen nicht nur für die Verbindungen aus Bayern nach Tschechien, sondern auch nach Sachsen. Eine nordbayrische Schienenkarte zeigt noch heute die Spuren der deutschen Teilung und lässt erahnen, wo die innerdeutsche Grenze verlaufen ist. Fast 36 Jahre nach dem Mauerfall ist es Zeit, hier vor Ort und konkret an das Problem heranzugehen und die Lücken zu schließen, die nach dem zweiten Weltkrieg gezogen worden sind. Doch all das funktioniert nur, wenn man im betrieblichen Alltag eine Eisenbahn und allgemein öffentliche Verkehrsmittel hat, die die Qualtätsansprüche erfüllen.
Wer die Stellung der Eisenbahn im Wettbewerb der Verkehrsträger stärken will, muss natürlich auch dafür sorgen, dass die Züge fahren und dass sie regelmäßig gereinigt werden. In der Schweiz gibt es die Situation, dass verspätete deutsche Fernzüge oft gar nicht mehr ins Land gelassen werden, sondern die Fahrgäste umsteigen müssen. Die Schweizer haben einen wie ein Uhrwerk funktionierenden integralen Taktfahrplan und sie lassen zurecht nicht zu, dass stark verspätete deutsche Züge in das Netz reinfahren und genau diesen integralen Taktfahrplan immer wieder kaputtfahren.
Wenn es regelmäßige länderübergreifende Verbindungen zwischen Bayern und Tschechien gibt, werden die Tschechen sich irgendwann auch überlegen, wie man reagiert, wenn dauerhaft verspätete Züge aus Deutschland kommen. Prag ist ja keine Grenzstadt und so manch einer, der diesen Zug dann auch für den rein innertschechischen Verkehr nutzen wollen, werden wenig Lust darauf haben, dass ihre Züge dauernd verspätet sind, weil in Deutschland die Infrastruktur verfällt oder die Züge aus anderen Gründen mit starker Verspätung die Grenze überschreiten. Parallel zur Vorbereitung der Vergabe dieser Leistungen von Bayern nach Tschechien muss man in Bayern die Probleme mit der eigenen Schiene vernünftig gelöst kriegen.
Siehe auch: Bayern plant SPNV-Züge nach Prag
Foto: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr