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Vorfreude auf die Betriebsaufnahme

14.07.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Viele werden den alten Ringlokschuppen in Gelsenkirchen-Bismarck kennen: Sei es, weil man mit dem Zug dort vorbeifährt oder sei es, weil man ihn von der A42 aus sehen kann. Jetzt gibt es endlich ein neues Leben für das alte Betriebswerk in Gelsenkirchen-Bismarck: Der gesamte Altbaubestand wurde, mit Ausnahme des Ringlokschuppens, abgerissen und weicht einer modernen Werkstatt für die Akkuzüge im Netz Niederrhein-Münsterland.

Es sind Züge, die auf elektrifizierten Abschnitten aus der Oberleitung nachladen können, um somit die nicht elektrifizierten Abschnitte des Netzes überbrücken zu können. Die Idee ist nicht neu, auf dem Papier waren solche Konzepte schon lange vorhanden, jetzt kommt es zum Einsatz. So braucht man nicht wegen relativ kurzer Abschnitte ohne Oberleitung auf deutlich längeren Abschnitten mit Oberleitung in Dieseltraktion fahren und umgekehrt kann man in elektrischer Traktion fahren ohne dass man auf den Bau einer Oberleitung warten muss.

Natürlich stellt sich die Frage, ob der Einsatz solcher Züge bis in die 2050er Jahre hinein nicht auch den Zustand der nicht elektrfizierten Abschnitte verfestigt, denn der Einsatz der Fahrzeuge steht auf Jahrzehnte fest. Das mag sein, doch wenn man alternative neue Dieseltriebzüge beschafft hätte, wäre es das gleiche gewesen. Deshalb sind derartige Züge durchaus ein guter Kompromiss für Netze, die in Teilen elektrifiziert sind und in anderen Teilen nicht.

Man schafft zudem Werkstattkapazitäten für Eisenbahnfahrzeuge, die perspektivisch auch andere Aufträge übernehmen kann, sei es in anderen Vergabenetzen oder sei es für ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, das externe Instandhalter sucht. Die einst umstrittene Herstellerwartung ist längst Realität und sie funktioniert auch. Es gibt, anders als vielfach behauptet, kein Wirrwarr an Zuständigkeiten, keinen Betreiber, dem die Kontrolle über die Qualität seines Produktes entzogen wurde und keine Rechtsanwälte auf den Leitstellen, weil sich die verschiedenen Marktspieler bis in die Haarspitzen misstrauen.

Stattdessen sieht man eine qualitativ hochwertige Eisenbahn, die auch am Niederrhein und im Münsterland funktionieren wird – und der Betreiber wird ausgerechnet DB Regio sein, also genau das Unternehmen, das am lautesten gegen die Herstellerwartung getrommelt und zeitweise sogar mit einem völligen Marktaustritt gedroht hat. Besonders positiv ist anzumerken, dass es im Rahmen der Vergabe zwei Teillose gibt, wobei die Züge untereinander austauschbar sein müssen.

Der VRR hat bei der Ausschreibung zur Bedingung gemacht, dass die neuen Züge innerhalb von sechs Stunden von einem auf der andere Netz umgebaut werden können müssen. Hintergrund ist, dass ein Teilnetz eine maximale Länger von sechzig Kilometern ohne Oberleitung hat, das andere jedoch bis zu 95 Kilometer ohne Oberleitung auskommen muss. So ist gewährleistet, dass man maximal flexibel ist und die Züge eben nicht fest an eine Linie oder ein Teillos gebunden sind. Man darf sich also freuen auf die Betriebsaufnahme.

Siehe auch: CAF-Spatenstich in Gelsenkirchen-Bismarck
Foto: Stadt Gelsenkirchen / Martin Schmüdderich

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