Eine starke Schiene für Köln und Umgebung
03.07.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Natürlich muss man sich die Frage stellen, wie man denn die zahlreichen versprochenen Leistungsausweitungen realisieren will. Wird der Aufgabenträger ausreichend Budget haben, um auf der verbesserten Infrastruktur die notwendigen Eisenbahnleistungen zu bestellen? Wenn z.B. von Köln nach Bergisch Gladbach nicht mehr dreimal, sondern zwölfmal in der Stunde gefahren werden soll, dann ist das schon einiges.
Auch auf der Westspange, für die am Montag die Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet wurde, wird man das Potential für deutlich mehr Züge haben – wenn man sie denn wird bezahlen können. Dann ist noch eine andere Frage: Angesichts der bundesweiten Notfahrpläne geht es neben der grundlegenden Finanzierungsproblematik auch um die Frage, ob die zuständigen Eisenbahnverkehrsunternehmen dauerhaft die Kapazitäten haben, nicht nur irgendwann zum bestellten Regelfahrplan zurückzukehren, sondern deutliche Leistungsausweitungen durchzuführen.
Denn bei allen Plänen für die Zukunft, potentiellen Ausbauten und Leistungsausweitungen, der Blick auf die Realität darf niemals außer acht gelassen werden. Da stellen wir fest, dass es noch immer eine schwere Eisenbahnkrise gibt. Just am Montag war die Anreise nach Köln über die Schnellfahrstrecke Rhein-Main nahezu unmöglich, weil es in Siegburg ein defektes Stellwerk gegeben hat – ob auch Teilnehmer der Veranstaltung in der Kölner Messe betroffen waren, ist unbekannt, aber mit Sicherheit waren zahlreiche Fahrgäste betroffen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Köln wollten und es entweder gar nicht, nur stark verspätet und dann ist heillos überfüllten Zügen geschafft haben.
Was ist eigentlich, wenn jemand z.B. aus Frankfurt am Main geschäftlich nach Köln muss, die Hin- und Rückfahrt separat bucht und dann klappt schon die Hinfahrt nicht: Kriegt derjenige dann auch den Fahrpreis für die Rückfahrt erstattet, wenn es sich um zwei Einzelbuchungen handelt und die Rückfahrt theoretisch ja funktioniert hätte?
Feststeht in jedem Fall, dass die Eisenbahn beständig der Konkurrenz mit vier Gummireifen ausgesetzt ist. Wer regelmäßig von z.T. stark verspäteten oder ausgefallenen Zügen betroffen ist, von nicht besetzten Stellwerken oder ausgedünnten Fahrplänen, der überlegt sich, wo die Schmerzgrenze erreicht ist und ab wann es sinnvoll ist, mit dem Auto zu fahren – auch wenn Autofahren in der Kölner Innenstadt wahrlich kein Vergnügen ist.
Deswegen muss man hier eine Doppelstrategie fahren: Es ist notwendig, einerseits die akuten Krisen zu bekämpfen und zu überwinden und parallel müssen die Planungen vorangetrieben werden, es müssen Ausbauten vollzogen werden, damit konkrete Verbesserungen realisierbar sind, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Natürlich ist das eine Mammutaufgabe für die nächsten Jahre, gerade weil man quasi zwei Baustellen gleichzeitig bearbeiten muss. Aber der Kölner Eisenbahnknoten ist einer der wichtigsten in Deutschland und hier sind Ausbauten notwendig und daher auf jeden Fall zu unterstützen.
Siehe auch: Knotenausbau Köln wird vorangetrieben
Foto: go.Rheinland / Smilla Dankert