Auch unangenehme Probleme ehrlich benennen
10.07.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Die Probleme, die Mofair und das BSN beim Namen nennen, zeigen dass viele, was auf der Schiene schiefläuft, eben keine Folge der tatsächlichen oder vermeintlichen Unterfinanzierung sind, sondern dass diese alle möglichen anderen Ursachen haben. Wenn man natürlich auf routinemäßigen Messfahrten feststellt, dass die Eisenbahninfrastruktur so hinüber ist, dass man sie nicht mehr befahren kann, dann ist das ärgerlich, aber nicht zu verhindern.
Autofahrer aus dem Sauerland wissen ein Lied davon zu singen, denn die vielzitierte Rahmetalbrücke auf der A45 bei Lüdenscheid ist auch ohne Vorwarnung von jetzt auf gleich nicht mehr befahrbar gewesen. Bei der Müngstener Brücke, der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands, zwischen Solingen und Remscheid, kam die Sperrung auch wie der Blitz aus heiterem Himmel.
Natürlich kann von außen niemand nachvollziehen, ob DB InfraGO über potentielle Probleme nicht doch Bescheid weiß und es den anderen Akteuren, etwa Aufgabenträgern, Verkehrsbetreibern etc. einfach nicht sagt. Aber dazu gibt es in den allermeisten Fällen keine Anhaltspunkte und man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass plötzliche Sperrungen passieren können, wenn die Infrastruktur insgesamt verfällt.
Das heißt aber nicht, dass man DB InfraGO alles durchgehen lassen kann und darf. Die Forderung nach mehr Ehrlichkeit ist auf der anderen Seite wichtig. Wir wissen nicht, was in den kommenden Jahren und Jahrzehnten für Baumaßnahmen kurzfristig notwendig werden. Wir wissen aber auch nicht, ob es überhaupt genügend Kapazitäten bei der Bauindustrie gibt, diese zu erfüllen, insbesondere auch kurzfristig zu erfüllen.
Durch das Sondervermögen für die Infrastruktur muss man ja auch davon ausgehen, dass sich die Lage auf dem Baumarkt weiter dramatisieren wird: Die öffentliche Hand tritt als Großnachfrager in den Markt ein und infolgedessen steigen nicht nur die Baupreise, sondern es ist offen, ob sich überhaupt noch Baufirmen finden, die in einem bestimmten Zeitraum bestimmte Baumaßnahmen machen – insbesondere wenn es sich um Notbaumaßnahmen handelt und eben nichts, was über Monate oder gar Jahre im Vorfeld geplant wurde.
Das gilt nicht nur für die Instandhaltung, sondern auch bei Ertüchtigungen oder Elektrifizierungen. Wenn man Branchenvertreter fragt, ob ein Elektrifizierungsprogramm auch daran scheitern kann, dass bestimmte Bauteile nicht zu bekommen sind, wird derjenige das zumindest offiziell verneinen. In zahlreichen konkreten Umsetzungsfällen jedoch ist es durchaus die Regel, dass Bauteile nicht lieferbar sind, dass Ausschreibungen aufgehoben werden müssen, weil sich keine Auftragnehmer finden und ähnliches.
uch das gehört zur Ehrlichkeit: Wir wissen nicht, ob sich das Geld überhaupt verbauen lässt, das jetzt in den kommenden Jahren zur Verfügung steht und es ist nicht bekannt, inwiefern die Budgets real sinken, weil es massive Baupreissteigerungen gibt. Natürlich kann man das nicht konkret vorhersagen, aber man muss all diese Dinge ehrlich im Auge behalten.
Siehe auch: Schnieder kündigt Investitionen an
Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben