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Vermeidbare Probleme lösen

23.06.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Wenn ein Unternehmen so fundamentale Probleme hat die wie KVB, dann muss man sich immer fragen: Was hat die Geschäftsführung zu verantworten und was ist höhere Gewalt und war vielleicht wirklich nicht vorhersehbar. Dass wir in eine Verrentungswelle reinlaufen, hat jeder gewusst. Die geburtenstarke Nachkriegsgeneration tritt in den verdienten Ruhestand ein und diese Verrentungswelle befindet sich erst am Anfang.

Der in beiden deutschen Staaten geburtenstärkste Jahrgang 1964 befindet sich momentan meist noch in Lohn und Brot, aktuell sind es die Kinder der 50er Jahre, die aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Wenn es ernsthaft an Fahrschulkapazitäten gemangelt hat, sodass man die Leute nicht ausbilden konnte obwohl Bewerber da waren, dann ist das definitiv ein hausgemachtes Problem. Interessant dürfte auch sein, wie hoch die Zahl derer ist, die nicht aus Altersgründen ausscheiden, sondern weil sie sich umorientieren. Das Personal zu halten ist genauso wichtig wie das Personal zu finden.

Hier hat man also ein Problem, mit dem man jetzt klarkommen muss, das man bei rechtzeitiger Betrachtung hätte verhindern können. Anders sieht es aus, wenn bestellte Stadtbahn-Triebzüge mit starker Verspätung in die Auslieferung gehen. Obwohl: Wirklich? War nicht bereits 2020, als die Corona-Pandemie losging, für jeden absehbar, dass Lieferketten zusammenbrechen und dass eine Wirtschaft, die auf Just-in-Time statt auf Lagerhaltung basiert, nicht mehr funktionieren würde?

Man kann an diesem Punkt sagen: Das hätten wir nicht wissen können, niemand war in einer Zeit, in der man auf Sicht gefahren ist, in der Lage, die Zukunft zu antizipieren. Doch gerade dann hätte man zumindest einkalkulieren müssen, dass eine Großbestellung von Stadtbahn-Triebzügen deutlich später kommt als erwartet.

Niemand verlangt von den Verantwortlichen, dass sie mit einer Glaskugel Wahrsagerei betreiben können. Aber es ist sehr wohl möglich, anhand des Status Quo und dem, was in der Vergangenheit passiert ist, Rückschlüsse auf mögliche Problemfelder der Zukunft zu ziehen und sich präventiv vorzubereiten. Das ist scheinbar nicht passiert, sonst stünde man jetzt nicht da, wo man ist.

Hier kommt aber noch eine zweite Frage ins Spiel: Welche Rolle hat denn die Stadt Köln als Aufgabenträger und Alleineigentümer der KVB gespielt? In beiden Funktionen kommt der Stadt die Verantwortung zu, zu überwachen, was im Unternehmen passiert und vorzeitig Einfluss zu nehmen, damit man nicht in die jetzt vorhandenen Probleme rein läuft. Es ist daher nicht nur ein Thema für die operative Unternehmensführung, sondern es ist auch ein politisches Thema.

In aller Regel ist den Kommunen nicht bekannt, welche Rolle sie als Aufgabenträger haben. Es ist jedenfalls mehr als alle paar Jahrzehnte einen neuen Auftrag bzw. eine neue Konzession durchzuwinken, sondern es muss eine aktive Kontrolle stattfinden. Direktvergaben an Eigenbetriebe sind nur möglich, wenn der Eigenbetrieb gesteuert werden kann wie eine eigene Dienststelle. Hier liegt auch politisches Versagen vor.

Siehe auch: KVB stellt Jahresabschluss 2024 vor
Foto: Kölner Verkehrsbetriebe AG / Christoph Seelbach

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