Marktdruck macht die Schiene besser
02.06.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Bislang waren private Fernverkehrszüge bestenfalls Einzel- und Randerscheinungen. Manch einer erinnert sich an den InterConnex, doch von einer Linie konnte hier keine Rede sein, sondern das waren einzelne Züge. Rein zufällig hat die DB Fernverkehr AG auf der Hauptstrecke des InterConnex zwischen Leipzig und Berlin dafür gesorgt, dass die Sparpreisverfügbarkeit extrem hoch war – man könnte fast unterstellen, der InterConnex wurde von der DB AG mit Niedrigpreisen gezielt torpediert.
Auch wenn FlixTrain jetzt eine ganze Nummer größer auf den Markt gehen will, so kann man davon ausgehen, dass die DB AG auch hier mit deutlich gesunkenen Sparpreisen reagieren wird. Natürlich ohne es zu kommunizieren, das müssen sie auch gar nicht. Dadurch, dass die Sparpreisverfügbarkeit stets ein strikt gehütetes Unternehmensgeheimnis ist, kann der DB-Konzern ohnehin jederzeit faktisch geheime Preiserhöhungen oder Preissenkungen durchführen.
Böse Zungen sagen sogar, die Sparpreisverfügbarkeit auf manchen Fernverkehrsverbindungen hänge davon ab, ob der parallel laufende Regionalexpress von DB Regio oder einem Wettbewerber betrieben wird. Andere private Fernverkehrsbetreiber der letzten Jahre waren schneller wieder weg vom Fenster als sie das selbst gedacht haben. Ein Anbieter hat Unternehmensanteile in Ticketgutscheinen ausgegeben und nicht bedacht, dass die Umsätze in den ersten Monaten entsprechend nicht da sind, weil die Kunden alle ihre Gutscheine abgefahren sind.
Die Eisenbahn ist halt ein kapitalintensives Geschäft und nicht als StartUp geeignet. Deshalb hat die DB AG im Fernverkehr bislang quasi ein Monopol, auch wenn es etwa im Bereich des Autozuges nach Sylt der Anbieter RDC sehr erfolgreich auf dem Markt aktiv ist. Abe es bleibt ein Nischenprodukt. und jetzt gibt es erstmals die Chance, das sich das verändern wird.
Aber auch hier: Wo will FlixTrain denn hinfahren? Wie sieht es aus in der relativ nachfrageschwachen Zeit am Sonntagmorgen oder am Dienstagabend? Was ist, wenn weder die DB Fernverkehr AG noch FlixTrain bereit sind, bestimmte relativ abseitig gelegene Oberzentren anzufahren, weil es einfach schwierig ist, diese in einen vernünftigen Zuglauf zu integrieren? Natürlich kann man davon ausgehen, dass etwa von Bonn nach Berlin oder von Frankfurt nach München ein Konkurrenzkampf entstehen wird.
Das sorgt dort für sinkende Preise, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. So wie ja auch der Fernbus dafür gesorgt hat, dass sich die Sparpreisverfügbarkeit in der Kombination aus InterCity und Regionalexpress verbessern wird und umgekehrt das Deutschlandticket dem Fernbus zusetzen dürfte.
Aber wer ist denn bereit, einmal am Tag unter Vorspann einer Diesellok ins Allgäu zu fahren? Aber auch hier könnte möglicherweise genau der Marktdruck entstehen, der notwendig ist, um auch im Fernverkehr besser zu werden. Gerade dort, wo es keinen Aufgabenträger und keine Konkurrenz gibt, sind Schlechtleistungen ohne Folge. Deshalb: Seien wir optimistisch, dass es besser wird.
Siehe auch: FlixTrain beschafft 65 neue Züge
Graphik: Flix SE