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Die Herausforderungen angehen

16.06.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Das ist erheblicher Sprengstoff: 51 Prozent der Mitarbeiter im öffentlichen Verkehr bewerten ihren eigenen Beruf als schlecht. Da ist es kein Wunder, dass es eine Fluktuation zu verzeichnen gibt, die über die momentan ohnehin laufende Verrentungswelle hinausgeht. Wer möchte schon in einem schlechten Beruf arbeiten, insbesondere auch dann wenn er eine gute Alternative hat? Eine Quereinsteigerquote von 51 Prozent heißt ja, dass die Leute früher andere Dinge gemacht haben und über entsprechende Qualifikationen verfügen.

Wer Kfz-Mechatroniker ist, der kann natürlich bei dem kommunalen Verkehrsunternehmen in der Werkstatt arbeiten, er kann aber auch zu einer anderen Autowerkstatt gehen: Sowohl die freien Werkstätten als auch die Vertragswerkstätten suchen händeringend gute Mitarbeiter. Die Zeiten, dass jemand, der es zu den Stadtwerken geschafft hat, dort bis zur Rente bleibt, sind vorbei. Wenn Busfahrer und Lokomotivführer aus allen möglichen Wirtschaftsbereichen kommen, dann können auch diese wieder zurückgehen.

In der Coronazeit waren viele Betriebe in Kurzarbeit oder Arbeitsplätze sind weggefallen und die Leute haben dann den Weg zu Bussen und Bahnen gefunden. Bereits vor zehn Jahren war abzusehen, dass die mittlere Personalplanung der Eisenbahn- und ÖPNV-Branche darauf ausgelegt ist, dass die Konjunktur nach Jahren des Wachstums irgendwann ins Stocken gerät und man Mitarbeiter aus anderen Bereichen brauchen wird. Manch einer hat nicht so gerne darüber gesprochen und andere haben sich überhaupt keine Gedanken in diese Richtung gemacht.

Aber die pandemische Notlage hat dafür gesorgt, dass manch einer sich beruflich verändert hat und beim öffentlichen Verkehr gelandet ist. Mit nun einigen Jahren Abstand sieht die Welt aber auch wieder anders aus: Es gibt berufliche Perspektiven entweder im alten Beruf oder ganz woanders. Die Annahme, dass die Mitarbeiter um jeden Preis auf diesen einen Job angewiesen sind, funktioniert schon lange nicht mehr.

Ein wichtiger Baustein beim Ziel, das Personal nicht nur zu finden, sondern auch zu halten ist natürlich auch die Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die erste Opfergruppe von gewalttätigen Übergriffen oder Beleidigungen sind eben nicht Fahrgäste, sondern Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen. Auch hier hat sich in den letzten Jahren vieles zum guten gewandt: Eine höhere Anzeigenbereitschaft sorgt dafür, dass die Zahlen sich zunächst verschlechtern, aber dass ein größeres Problembewusstsein entsteht.

Wir sprechen über Bodycams, verbesserte Videoüberwachungen, Sicherheitsteams und vieles mehr. Stichwort Videoüberwachungen: Es ist noch gar nicht lange her, da gab es immer wieder Fälle, in denen die Bilder aus Überwachungskameras an Bahnhöfen keine Beweiskraft hatten, weil sie qualitativ zu schlecht waren. In einer Zeit, in der jedes Billigsmartphone HD-Bilder produzieren kann, muss das auch für Überwachungskameras gelten. Man hat also die richtige Richtung eingeschlagen, nun gilt es aber auch, diesen Weg fortzusetzen.

Siehe auch: VDV sieht Branche im Wandel
Foto: Stephanie Albert

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