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Das Fahrrad in den öffentlichen Verkehr integrieren

10.06.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Bis vor ein paar Jahren gab es im Regionalexpress von Köln nach Trier, als dieser noch mit einer 218er-Diesellok und modernisierten Ex-Silberlingen betrieben worden ist, zu bestimmten Zeiten einen mit eingehängen Fahrradwagen. Hierbei handelte sich um umgebaute Waggons, die speziell für die Fahrradmitnahme ausgelegt waren. Die Kapazitäten, die an Wochenenden auch gebraucht worden ist, waren traumhaft hoch und viele Ausflügler aus dem Großraum Köln sind mit ihren Fahrrädern in die Eifel und wieder zurückgefahren.

Nun kann natürlich niemand eine Rückkehr zu Silberlingen fordern und die Fahrzeuge von damals wurden längst wieder dem Rohstoffkreislauf zugeführt. Diese Fahrradwaggons waren zwar beliebt, aber von Anfang an nur eine Übergangslösung auf einer bestimmten Strecke, auch weil sie nur in einem viel zu kleinen Umfang zur Verfügung standen. Aber grundsätzlich ist es nicht nur richtig, sondern auch überfällig, dass sich der große Branchenverband jetzt mit der Frage auseinandersetzt, wie man sich mit dem Fahrradverkehr sowohl im kommunalen ÖPNV als auch auf der Schiene in Zukunft beschäftigen möchte.

Neben den gesetzlichen Grundsatzbestimmungen ist es primär Sache der Aufgabenträger, neu zu beschaffende Züge so vorzugeben, dass man auch mal mehr als ein oder zwei Fahrräder darin unterbringen kann: Sei es für den klassischen Ausflugsverkehr, den es bundesweit gibt, oder sei es im urbanen Raum, wo sowohl die Mitnahme als auch die Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen wichtig sind. Gerade hochwertige Fahrräder möchten viele nicht einfach irgendwo „an der Laterne anschließen“, weil selbst teure Fahrradschlösser im Zweifel schnell geknackt werden können.

Abstellboxen, die gar nicht sehr platzintensiv sind, können überall den Zugang zur Eisenbahn erleichtern. Wer mit dem Auto zum Bahnhof fährt, tut das bei gutem Wetter vielleicht auch mit dem Fahrrad und dann mit dem Zug weiter zur Arbeit. Viele Verkehrsunternehmen haben in den letzten Jahren auch gute Erfahrungen mit dem Einstieg in den Fahrradverleih gemacht. So wie es Autos zur Kurzzeitmiete gibt, gibt es das in vielen großen oder auch gar nicht so großen Städten längst auch für Fahrräder.

Das Deutschlandticket schafft auch hier die technische Grundlage zur unkomplizierten Anmeldung: Wer über das Deutschlandticket am Bikesharing-Dienst in seinem Wohnort angemeldet hat, müsste dann über die entsprechende App auch bundesweit an Leihfahrräder kommen.

Hier braucht es technische Schnittstellen und genau da wäre der VDV gefragt, für seine Mitgliedsunternehmen die entsprechenden Grundlagen zu schaffen, damit der Zugang überall kinderleicht und intuitiv funktionieren kann. Die Kommunen sind darüber hinaus gefragt, Flächen auszuweisen und dafür zu sorgen, dass hier in Bahnhofsnähe Fahrräder abgestellt werden können. Auch die Bereitstellung von Fahrradboxen obliegt den Rathausverantwortlichen. Deshalb gilt auch hier: Die Umsetzung muss ganz konkret und vor Ort erfolgen.

Siehe auch: VDV legt Fahrradkonzept vor
Foto: Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann

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