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Zwei Jahre Deutschlandticket

05.05.25 (Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Zwei Jahre nach der Einführung des Deutschlandtickets zieht man in der Eisenbahnbranche eine erste Bilanz und zeigt sich weitgehend zufrieden. Mit Sicherheit kann man sagen, dass dieses neue Angebot die Struktur der öffentlichen Verkehrsmittel nachhaltig geändert und für die meisten Nutzer stark verbessert hat. So hat sich die Zahl der Menschen, die dauerhaft öffentliche Verkehrsmittel nutzen, seit dem 1. Mai 2023 deutlich erhöht: Die Abo-Quote, also die Zahl der Kunden, die ein ÖPNV-Abo besitzen, ist in den vergangenen zwei Jahren um 62 Prozent gestiegen. Das zeigen die Daten der gemeinsamen Marktforschung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Deutschen Bahn (DB) im Auftrag des Bundes und der Länder.

VDV-Präsident Ingo Wortmann: „Das Deutschland-Ticket ist gemessen an den Verkaufszahlen ein Erfolg, rund 13,5 Millionen Menschen nutzen es. Doch damit geben wir uns als Branche nicht zufrieden, wir wollen so schnell wie möglich das Ziel von mindestens 15 Millionen Nutzerinnen und Nutzern erreichen. Wenn alle gemeinsam die Rahmenbedingungen für das Ticket noch weiter verbessern, dann geht sogar noch mehr. Wir haben unter anderem beim Deutschland-Ticket Job oder auch bei einem passenden Angebot für Auszubildende noch Potenzial, das es zu heben gilt.“

Die von VDV und DB koordinierte Marktforschung ist die bundesweit umfangreichste Erhebung zum Deutschland-Ticket und liefert mit inzwischen über 200.000 Befragten detaillierte Einblicke, wie die Kunden das Ticket bewerten und nutzen. Rund 23 Millionen Menschen haben das Ticket in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal gekauft. 68 Prozent der Deutschland-Ticket-Inhaber nutzen es dauerhaft. 45 Prozent sind sogar Kunden der ersten Stunde. Durchschnittlich konnten Nutzer mit dem Deutschland-Ticket pro Monat 17,10 Euro gegenüber ihren vorherigen Ausgaben für den ÖPNV sparen.

Die Gesamtersparnis für die Fahrgäste liegt inzwischen bei über 4,25 Milliarden Euro. Das Deutschland-Ticket hat die Digitalisierung im ÖPNV-Vertrieb beschleunigt. Über sechzig Prozent der Tickets werden digital erworben, wobei Handy-Tickets besonders beliebt sind. Mehr als ein Viertel aller Fahrten, die es 2024 mit dem Deutschland-Ticket gab, hätten ohne dieses Ticket entweder gar nicht oder mit anderen Verkehrsmitteln stattgefunden.

Rund acht Prozent aller Deutschland-Ticket-Fahrten wären sonst mit dem Auto unternommen worden. Das trägt dazu bei, dass durch das D-Ticket 2,3 Millionen Tonnen C02 seit der Einführung eingespart werden konnten. Erfreut zeigt man sich auch bei der Allianz pro Schiene. Das Bekenntnis der neuen Bundesregierung zum Deutschlandticket und die angekündigte Preisstabilität machten das Deutschlandticket noch attraktiver. Ziel muss es dem Verkehrsbündnis zufolge sein, die Nutzerzahlen des Tickets weiter zu erhöhen, insbesondere durch ein größeres Angebot an Jobtickets.

Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, sagte: „Gleich mehrere Studien belegen es inzwischen ganz deutlich: Das Deutschlandticket hat das Fahren mit Bus und Bahn deutlich einfacher gemacht und viele Menschen zusätzlich zum Umsteigen bewegt. Es ersetzt Millionen Autofahrten, sodass bis zu 6,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr und externe Kosten in Milliardenhöhe eingespart werden. Lange wurde das Deutschlandticket diesbezüglich unterschätzt. Doch wir sehen schon jetzt: Das Potenzial ist riesig, und mit steigenden Nutzerzahlen ist noch deutlich mehr möglich.“

Insbesondere durch ein breites Angebot an Jobtickets könnten viele weitere Abonnenten hinzugewonnen werden. „Wenn Arbeitgeber ihren Beschäftigten standardmäßig ein Jobticket anbieten, kann das der entscheidende Anreiz sein, das eigene Auto häufiger stehen zu lassen. Das verbessert dann nicht nur weiter die CO2-Bilanz im Verkehr. Eine größere Abonnenten-Zahl generiert auch höhere Einnahmen und erleichtert die künftige Finanzierung des Deutschlandtickets – eine echte Win-win-Situation.“

Zusätzlich zum regulären Deutschlandticket und dem vergünstigten Jobticket braucht es aus Sicht der Allianz pro Schiene auch ein deutschlandweites Sozialticket. „Alle sollen vom Deutschlandticket profitieren können, auch die Menschen, die sich 58 Euro im Monat nicht leisten können“, so Flege. Ein zusätzliches Sozialticket müsse dann aus dem Sozialhaushalt finanziert sein. Überdies könne eine Option zur Mitnahme von Kindern dazu beitragen, Freizeitfahrten auf den öffentlichen Verkehr zu verlagern.

Siehe auch: Absicherung und Fortschreibung

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