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Gute Nachrichten für die Verkehrswende

12.05.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Während man bundesweit von Leistungskürzungen wegen Personalmangel liest, von Notfahrplänen und anderen Problemen, scheint es in Baden-Württemberg gelungen zu sein, das Angebot in der Coronazeit sogar auszubauen. Gut, man nimmt als Ausgangspunkt das Jahr 2020 und nicht das letzte Vor-Corona-Jahr 2019, aber trotz allem scheint man einen Aufwuchs bei den erbrachten Verkehrsleistungen zu haben. Andernorts erlebt man einen früheren Betriebsschluss, wegfallende Verstärkerzüge oder Stellwerke, die relativ früh am Abend nicht mehr besetzt werden können, weil die Fahrdienstleiter fehlen.

Wenn der letzte Zug um 21:45 seinen Zielbahnhof erreicht und die Spätleistungen wegen Personalmangel ausfallen, dann ist auch das ab 22 Uhr nicht mehr besetzte Stellwerk nicht mehr so auffällig – oder umgekehrt, der fehlende Lokführer fällt nicht auf, weil ja das Stellwerk sowieso unbesetzt ist. Kurzum: Bundesweit ist die Eisenbahn geprägt von einer Situation der Mangelwirtschaft, es fehlt mal das eine und mal das andere, aber irgendwas ist immer. Wenn es in Baden-Württemberg in den letzten Jahren gelungen sein sollte, einen anderen Trend zu erzeugen, ist das erfreulich.

Wobei auch hier andere Erlebnisberichte vorliegen. So hat man im Sommer 2023 beispielsweise den Regionalverkehr zwischen Offenburg und Konstanz wegen Wartungsrückständen mal eben auf einen Zweistundentakt zurückgefahren. Der Zug, der in er Haupturlaubszeit durch den Schwarzwald an den Bodensee fährt, wurde also halbiert, weil der Betreiber DB Regio zu wenig Mechatroniker in den Werkstätten hatten. Wer mit dem Zug in die Ferien fährt, wird sich überlegen, ob nicht das Auto oder auch der Kurzstreckenflieger attraktiv ist als eine so gestutzte Eisenbahn.

Was man letztes Jahr, ebenfalls in Konstanz, während des Wintereinbruchs in der Vorweihnachtszeit erlebt hat, war auch niemandem zumutbar. Tagelang war die Stadt am Bodensee vom Eisenbahnverkehr abgeschnitten, während wenige hundert Meter weiter auf der schweizerischen Seite alles völlig problemlos gefahren ist. Es sind genau diese Erlebnisse, die Berufspendler ebenso wie Urlaubsreisende vergraulen, die dann wieder auf ihr eigenes Auto umsteigen. Da nutzt es auch nichts, wenn man im Durchschnitt mehr Leistungen anbieten konnte oder im Prinzip auch die Spät- oder Frühfahrten zur Tagesrandlage neu in den Fahrplan aufnimmt.

Doch eines muss man in Baden-Württemberg positiv attestieren: Man hat nicht nur leere Versprechungen gemacht und Forderungen an den Bund gestellt, sondern auch das Land hat seine Ausgaben aus dem eigenen Haushalt erhöht. So geht man mit gutem Beispiel voran und kann auch in der nächsten Runde der Bund-Länder-Verhandlungen klar sagen: Wir gehen konkret in Vorleistung, aber auch Ihr müsst etwas bieten. Denn eines ist klar: Die große Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene geht nicht, wenn verschiedene Ebenen der öffentlichen Hand gegenseitig Geld voneinander fordern, sondern nur wenn man sich gesamtstaatlich auf die Finanzierung einigt.

Siehe auch: Mehr Leistungen in Baden-Württemberg
Foto: Deutsche Bahn AG / Georg Wagner

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