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Absicherung und Fortschreibung

05.05.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Wer hätte beim Start der Ampelkoalition in der Vorweihnachtszeit 2021 ernsthaft geglaubt, dass sich etwas so revolutionäres wie das Deutschlandticket einführen lässt? Wohl niemand. Aber mit unvorhergesehenen Ereignissen, in diesem Fall den Preisschocks infolge des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine, lassen sich dann eben doch Dinge durchsetzen, die niemand auf dem Schirm hatte.

Dabei muss man den Verantwortlichen in der Eisenbahn- und ÖPNV-Branche bescheinigen, dass sie deutlich eher bereit gewesen wären: Als das Neun-Euro-Ticket am 31. August 2022 ausgelaufen ist, hätte man das Deutschlandticket zum 1. September 2022 einführen können. Aufgrund politischer Ränkespiele musste es erst auf den 1. Januar und dann auf den 1. Mai 2023 verschoben werden.

Legendär der bayrische Landesverkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), der im Bayrischen Rundfunk sagte, dass wenn der Bund ein solches Angebot haben wolle, müsse dieser es auch finanzieren, die Länder hätten da nichts mit zu tun. Nun ist es bei Landespolitikern aller Parteien durchaus üblich, dass man sonst was für Dinge ankündigt und verspricht, die konkrete Umsetzung aber davon abhängig macht, dass der Bund bezahlt. Mit acht Monaten Verspätung ging es also dann endlich los – aus zahllosen Tarifen in Deutschland wurde das Deutschlandticket.

Dabei dürfte die durchschnittliche Ersparnis in Höhe von 17,10 Euro im Monat sehr konservativ und zurückhaltend geschätzt worden sein, denn im Einzelfall dürfte die Summe deutlich größer sein. Wer beispielsweise in Wuppertal wohnt und in Köln arbeitet, hatte im April 2023 monatliche Ticketkosten in Höhe von etwa 250 Euro und wurde somit um rund 200 Euro im Monat entlastet. Ebenfalls nicht einberechnet worden sind Effekte, bei denen das Deutschlandticket auch im Inlandsurlaub genutzt werden kann. Wer also seine Ferien an der Nordsee oder im Allgäu verbringt, der ist dort mit seinem Ticket von zuhause unterwegs und spart ebenfalls Geld.

Das gilt es natürlich im ersten Schritt abzusichern: Aus 49 Euro wurden 58 Euro, angeblich sollen weitere Preissteigerungen in den nächsten Jahren ausgeschlossen sein. Es gibt aber auch Stimmen, die den Koalitionsvertrag dahingehend interpretieren, dass lediglich die Lastverteilung zwischen Nutzern, Verkehrsunternehmen und der öffentlichen Hand konstant bleibt, die also dennoch (leichte) Preissteigerungen für möglich halten.

Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn für Kunden, die tatsächlich keine weiten Strecken fahren, sondern nur innerhalb ihrer Ortschaft unterwegs sind, lohnt es sich im Zweifel schnell, vom Deutschlandticket auf eine reguläre Zeitkarte im Verbundtarif zurückzukehren. Parallel dazu muss man das ganze natürlich auch ausbauen, etwa als Jobticket. In Nordrhein-Westfalen ist es dem Land Kraft Landesrecht nicht gestattet, den eigenen Mitarbeitern ein solches Ticket beizustellen. Das Land selbst hätte es in der Hand, das zu ändern. Hierfür braucht man nicht den Bund, sondern nur eigene politische Courage in Düsseldorf.

Siehe auch: Zwei Jahre Deutschlandticket
Foto: Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont

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