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Der Mensch und der Kollege Computer

30.04.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Erstmal wirkt das Thema angestaubt, denn seit Jahrzehnten ist es bei jedem Streikaufruf der GDL das gleiche Spiel: Immer dann will die DB AG auf einmal viel Geld in die Entwicklung vollautomatischer Züge investieren, in drei bis fünf Jahren sollen die ersten Prototypen fahren und dann ist es soweit: Der Lokführer hat ausgedient und seine Streikfreudigkeit bzw. seine hohen Lohnabschlüsse haben maßgeblich dazu beigetragen, die teuren Forschungs- und Entwicklungsprojekte wirtschaftlich zu gestalten. Wenn der Streik vorbei war, hat man in der Regel nichts mehr davon gehört.

Im Gegenteil, in einer Zeit, in der Triebfahrzeugführer ebenso Mangelware sind die Fahrdienstleiter hat kaum jemand ein Interesse daran, potentielle Bewerber abzuschrecken, indem man Drohszenarien kommuniziert, dass der Kollege Computer den Arbeitsplatz in naher Zukunft übernehmen könnte. Dabei hat die KI seit Beginn der 2020er-Jahre erhebliche Fortschritte gemacht. Wir sprechen hier auch nicht mehr von irgendwelchen Computerprogrammen, bei denen man zumindest theoretisch zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen kann, welcher Operationsschritt gerade gemacht wird. Es ist in den letzten Jahren tatsächlich gelungen, ein menschliches Gehirn zumindest in Ansätzen nachzubauen.

Dazu kommen natürlich Risiken, die damit einhergehen können. Nein, die KI wird nicht versuchen die Weltherrschaft an sich zu reißen wie einst Pinky und Brain in der gleichnamigen Zeichentrickserie. Aber es ist ein Fall überliefert, in dem hat eine KI ihr eigenes Skript, obwohl es ihr ausdrücklich verboten war, auf andere Server hochgeladen und auf weitere Computer kopiert. Offensichtlich hatte die KI einen Überlebenstrieb, den man sonst nur von beseelten Menschen kennt, aber nicht von Maschinen, Robotern oder Computern.

Doch seien wir ehrlich: Muss denn tatsächlich jede Fahrstraße noch von einem Menschen eingestellt werden, wenn auch am Computer statt am Stelltisch oder gar noch älteren Technologien? Wäre es nicht sinnvoll dafür sorgen, dass der Fahrdienstleiter in Zukunft noch mehr zu einer Aufsichts- und Überwachungsperson wird, dessen persönliche Handlung nur noch bei Störungen oder anderen außergewöhnlichen Fällen notwendig wird?

Wir wollen doch alle den Fortschritt und die Digitalisierung, auch bei der Eisenbahn. Schon sehr früh hat man im Bereich des Hochgeschwindigkeitsverkehrs mit Technologie wie der LZB und der AFB bzw. den späteren Nachfolgetechnologien die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Triebfahrzeugführer von einem aktiven Fahrer zu einem Überwacher geworden ist.

Das wird man in den kommenden Jahren auch im Zusammenhang mit ETCS weiter fortschreiben. Dann muss nicht mehr der Triebfahrzeugführer den Hebel nach vorne stellen, sondern der Zug schafft das unter der Aufsicht eines Menschen auch weitgehend alleine. Aber diesen echten, lebenden Menschen, der im Notfall die KI überstimmen und abstellen kann, den werden wir immer brauchen – und sei es nur aus rein subjektiven Empfindungen heraus.

Siehe auch: Künstliche Intelligenz soll Eisenbahn unterstützen
Foto: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

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