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Jetzt die große Reform angehen

17.03.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Eine der Hauptbegründungen für den integrierten Konzern ist immer wieder der konzerninterne Arbeitsmarkt: So manch ein Lokomotivführer glaubt ernsthaft, wenn er seine Fahrfähigkeit verlöre, würde er am nächsten Tag per Automatismus Fahrdienstleiter im Stellwerk des Bahnhofes seiner Einsatzstelle. Dass das nicht der Fall ist, sieht man relativ schnell. Der konzerninterne Arbeitsmarkt ist ein Arbeitsmarkt wie jeder andere auch. Man kann sogar als DB-Konzernangehöriger arbeitslos sein – man ist dann bei DB Jobservice.

Für eine neue Tätigkeit im DB-Konzern muss man sich auf ausgeschriebene Stellen bewerben. Gucken wir uns DB Cargo an: Das Unternehmen ruft die Mitarbeiter auf, sich was anderes zu suchen. „Jeder, der geht, hilft“ heißt es dort. Sie können niemanden betriebsbedingt entlassen, aber bitte suchen Sie sich doch was anderes. Wo ist der hochgelobte konzerninterne Arbeitsmarkt, wenn innerhalb der DB AG Stellen abgebaut werden? Ich kann ja verstehen, wenn ein Güterzuglokführer was aus für Gründen auch immer nicht zum Personenverkehr wechseln möchte.

Aber genau dafür gibt es den konzerninternen Arbeitsmarkt. DB Cargo hat offensichtlich keine Beschäftigung mehr für die Leute, aber DB Regio und DB Fernverkehr sind wie verrückt auf der Suche nach Personal. Wenn das dann aber nicht funktioniert, dann ist eine zentrale Begründung für den Erhalt des integrierten DB-Konzerns weg. Niemand käme aber ansonsten auf die Idee, dass die Schleusen durch Reedereien betrieben werden sollen oder die Autobahnen durch Speditionen.

Wir haben den freien Netzzugang und eben keine dogmatische Unteilbarkeit von Infrastruktur und Verkehr mehr, wie es bei der alten Bundesbahn war. Die Verkehrsunternehmen der DB AG sind genauso Kunden der DB InfraGo wie jede Wettbewerbsbahn. Wenn der Aufgabenträger Eisenbahnleistungen ausschreibt, dann kann sich DB Regio genauso bewerben wie jeder andere. Oft sind im Netz Eisenbahnverkehrsunternehmen im Eigentum der Länder unterwegs. Sie fahren auf den Schienen der DB AG und nehmen am Marktgeschehen des SPNV ebenso teil wie das Bundesunternehmen DB Regio.

Was also spricht jetzt konkret für den integrierten Konzern? In der Debatte um den Börsengang gab es Stimmen, dass wenn ebenjener nicht zu verhindern sei, er nur als integrierter Konzern an die Börse solle. Über diesen Börsengang spricht zum Glück keiner mehr, aber auch die Trennung von Netz und Betrieb ist aus dem Fokus der Diskussion geraten.

Doch wenn man sich jetzt wirklich entschließt, ein Sondervermögen über mehrere hundert Milliarden Euro für die Infrastruktur aufzulegen, mit einem nicht geringen Teil davon für die Schiene, dann muss man auch solche Themen neu diskutieren. Wir müssen mit gestärkten Bauaktivitäten rechnen – obwohl wir schon im Jahrzehnt der Baustellen sind. Der Mangel an Baustoffen und Baumaschinen wird öfter relevant sein. Was ist mit Ersatzverkehren und wie geht man mit steigenden Baupreisen um? All diese Fragen sind politisch und nicht in der DB AG zu lösen.

Siehe auch: Mofair fordert Entflechtung der DB AG
Foto: hpgruesen

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