Geld zaubert keine Ressourcen her
20.03.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Ganz Deutschland diskutiert über verschiedene Sondervermögen und die Verfügbarmachung notwendiger Finanzmittel, auch für die Schiene. Tatsächlich war es historisch immer so, dass die Umsetzbarkeit von Eisenbahnprojekten eben nicht an den Ressourcen, sondern an den Finanzmitteln gescheitert ist. Als in den Jahren 2008 und 2009 die Kürzungen der Regionalisierungsgelder im Rahmen des damaligen Koch-Steinbrück-Papiers voll ins Budget reingehauen haben, mussten nach der Rasenmähermethode Fahrten gestrichen werden.
Dann war der Betriebsschluss eben schon um 21 Uhr statt um 24 Uhr, dann wurden bestimmte Außenäste von S-Bahnlinien nur noch im 20/40-Minutentakt betrieben oder sonntags ging es erst um neun Uhr morgens los. Man hätte damals, das Geld vorausgesetzt, diese Abbestellungen kurzfristig rückgängig machen können. Inzwischen haben wir eine ähnliche Situation. Man ist gezwungen, die Soll-Fahrpläne zu reduzieren.
Das betrifft auch wieder S-Bahnen, die statt im Halbstundentakt zu fahren auf den Stundentakt reduziert werden, es ist der frühere Betriebsschluss zur Tagesrandlage oder auch der nicht mehr fahrende Zug am Sonntagmorgen. Wenn es aber an Mitarbeitern mangelt, dann ist das Problem weitaus größer als wenn es „nur“ das fehlende Geld ist. Denn mit dem vielfach zitierten und oft beschworenen „mehr Geld für die Schiene“ kann man keine Mitarbeiter herzaubern: Keine Lokomotivführer, keine Fahrdienstleiter, keine Mechatroniker für die Werkstätten und auch sonst niemanden von den Menschen, auf deren gute Arbeit wir alle angewiesen sind, damit die Eisenbahn funktioniert.
Jetzt wird es aber umso schwieriger, denn es geht nicht nur darum, gutes Personal zu finden, sondern man muss die Leute auch langfristig halten. Dabei sprechen wir noch nicht von irgendwelchen Leistungsausweitungen, Streckenreaktivierungen oder irgendwas anderes in dieser Richtung. Man muss im Rahmen einer nüchternen Bestandsaufnahme sagen: Wir sind nicht in der Lage, die bestellten Fahrpläne einzuhalten.
Wir sind, vielleicht, auf dem Weg zurück dahin. Das hängt davon ab, ob es gelingt, genügend Interessenten zu finden, ob die Ausbildungskapazitäten hoch genug sind und inwiefern die Leute dann dauerhaft dabei bleiben oder sich nach relativ kurzer Zeit umorientieren. Bereits vor dem Ausbruch der Coronakrise vor fünf Jahren war absehbar, dass die ganze Personalplanung der Eisenbahnbranche auf einem konjunkturellen Abschwung beruht, weil man ansonsten Probleme kriegen würde, seine freien Stellen zu besetzen.
Die Verrentungswelle der geburtenstarken Nachkriegsgeneration kommt für niemanden überraschend, sondern das war über Jahrzehnte abzusehen. Auch dass die Zahl der Schulabsolventen sinkt, ist keine neue Erkenntnis. Immer mehr junge Leute, die aus der Sekundarstufe 1 kommen, streben zudem in die gymnasiale Oberstufe oder an die Universitäten und eben nicht in eine klassische Berufsausbildung. Die Situation kam also erwartet und jetzt muss man mit viel Engagement genau diese Probleme aufzulösen.
Siehe auch: Personalakquise in NRW
Foto: Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH / Kompetenzcenter Marketing NRW