Deutschlandticket und gutes Angebot
09.01.25 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Es dringend notwendig, das Deutschlandticket dauerhaft abzusichern und die Finanzierung auch auf einen solchen Rechtsrahmen zu stellen, dass es unabhängig von einem Bundeshaushalt weiterläuft. Das Worst-Case-Szenario wäre noch immer, dass das Deutschlandticket zwischendurch mal einige Monate vom Markt genommen werden müsste, weil die Finanzierungsfragen offen sind und dann zurückkommt. Nein, hier müssen klare Regelungen her, die sowohl den Bund als auch die Länder in die Pflicht nehmen.
Es müssen Rechtsverpflichtungen geschaffen werden, die im Zweifel auch im Rahmen einer vorläufigen Haushaltsführung zu erfüllen sind. Aber so eine Verkehrswende ist nicht nur eine gesamtstaatliche, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Natürlich klingt es aus Sicht eines Eisenbahn- und ÖPNV-Freundes positiv, wenn Arbeitgeber verstärkt das Deutschlandticket als Jobticket anbieten. Doch sowas kann man nicht mit politischen Mehrheiten erzwingen.
Wenn man sich in Tarifverhandlungen darauf einigt, dass das Deutschlandticket vom Arbeitgeber angeboten wird, dann gilt das Prinzip der Tarifautonomie. Die Tarifparteien verbitten sich zurecht politische Einmischungen in ihre laufenden Verhandlungen. Aber genau sie sind gefordert, das Deutschlandticket flächendeckend an den Mann zu bringen, sodass auch jemand, der nicht so häufig fährt sagt: Ich probier es einfach mal aus, dann sehen wir schon. Bei Beamten oder Angestellten der öffentlichen Hand hat diese es natürlich selbst in der Hand zu sagen: Wir bieten das an.
Das Deutschlandticket ist Teil der Besoldung oder wird in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes aufgenommen. Die öffentliche Hand ist einer der größten Arbeitgeber des Landes und was dort gemacht wird, hat sicherlich auch Signalwirkung. Die meisten Rathäuser liegen zentral, meistens in Bahnhofsnähe, aber selbst wenn nicht, sind sie in der Regel zumindest mit dem Stadtbus sehr gut zu erreichen.
Natürlich gibt es immer Einzelsituationen, wo jemand abgelegen lebt und mit dem Auto fahren muss, aber seien wir ehrlich: Mit einem guten Angebot würde sich für die meisten Angestellten der öffentlichen Hand auch die Fahrt mit Bussen und Bahnen lohnen, deshalb seien an dieser Stelle alle aufgerufen, mit gutem Beispiel voranzugehen.
Gleichzeitig muss man in der Branche selbst aber auch alles menschenmögliche tun, um die aktuelle Krise zu überwinden: Man muss Personal finden und halten, man muss sich als attraktiver Arbeitgeber aufstellen, der nicht nur in der Lage ist, Leute einzustellen, sondern auch über Jahre an sich zu binden.
Gleichzeitig muss man die Digitalisierung und Automatisierung weiter vorantreiben. Es braucht flächendeckend modernste Stellwerke mit entsprechender Leit- und Sicherungstechnik, damit man den Personalaufwand reduzieren kann. Dort geht das, mit weniger als einem Lokführer fährt kein Zug – Nein, auch in zehn Jahren gibt es keine autonomen Züge. Es gibt also auch im Jahr 2025 einiges zu tun, das es kurzfristig anzupacken gilt!
Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben