Schiene und Flieger kombinieren
02.12.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Natürlich sind der Schienenpersonenfernverkehr und die Kurzstreckenflüge auf den ersten Blick Konkurrenten: Ich kann mit Eurowings von Düsseldorf nach Berlin fliegen oder mit der Bahn fahren. Geht es mit dem Nachtzug nach Rom oder doch mit dem Flugzeug? Hierbei profitieren im Idealfall beide Wettbewerber und werden besser, denn Konkurrenz belebt das Geschäft: Sowohl auf der Schiene wie auch zwischen den Verkehrsträgern.
Wenn bei der Zugfahrt mehrfach Probleme hat, ist der Fahrgast geneigt, den Inlandsflug einfach mal auszuprobieren, umgekehrt macht das oft stundenlange Warten an den Sicherheitskontrollen oder bei der Gepäckausgabe die Fahrt mit dem Zug wieder interessant, weil man tatsächlich kurz der Abfahrt zum Bahnhof kommen und einsteigen kann. Man muss nicht oft mehrere Stunden vorher da sein, weil für die Sicherheitskontrollen viel zu wenige Mitarbeiter auf viel zu viele Fluggäste treffen.
Man muss auch nicht befürchten, dass man nach einem einstündigen Inlandsflug nochmal eine Stunde am Gepäckband warten muss, weil es auch hier zu wenige Mitarbeiter gibt. Es kann auch passieren, dass man nach der Landung noch eine längere Zeit im Flugzeug warten muss, weil gerade kein Fluggastbrückenfahrer da ist. Kurz gesagt: Beim Flugverkehr kann genauso viel schiefgehen wie im Eisenbahnverkehr und es besteht durchaus die Möglichkeit für die Schiene, Fluggäste wieder auf den Boden zu holen, wenn man ihnen ein gutes und zuverlässiges Angebot macht.
Doch es gibt in der Natur der Sache liegende Dinge, da stehen Schiene und Flugzeug nicht in Konkurrenz zueinander. Niemand fährt mit dem Zug nach New York oder Tokio, sondern hier kann man nicht anders als mit dem Flugzeug zu fliegen und es geht um die Frage, welche Rolle die Eisenbahn im Zubringerverkehr spielen kann. Hier ist es richtig und wichtig, dass man die Verkehrsarten kombiniert und dass man verstärkt dafür sorgt, dass Fluggäste komfortabel und zuverlässig mit dem Zug zum Flughafen fahren können.
Das gilt natürlich für den Frankfurter Flughafen, von dem die meisten Interkontinetalflüge starten, aber die DB AG und möglichst viele Airlines sollten ausloten, inwieweit es auch sinnvoll ist, das anderen Flughäfen zu machen. Umso richtiger ist die Ausweitung des Programms auf die Flughäfen München und Zürich.. Hier müssen beide Seiten ihre Partnerschaft intensivieren und im Sinne der gemeinsamen Kunden ausweiten.
Hier ist vor allem die Eisenbahnbranche aufgerufen, anstatt mit einem Schlagwort die Flugscham um sich zu werfen, sich ideologiefrei im Sinne der eigenen Stärke mit der Frage zu beschäftigen, wo man neben dem bestehenden Konkurrenzverhältnis auch Gemeinsamkeiten hat, die auch die Schiene stärken können. Denn letztlich muss es doch darum gehen, dafür zu sorgen, dass die Schiene auf allen Ebenen gestärkt wird, auch im Bereich des Zubringerverkehrs zu den Flughäfen. Man ist halt nicht nur Konkurrent, sondern in manchen Bereichen auch Partner, aber man hat immer wieder miteinander zu tun.
Siehe auch: Rekordzahlen für Lufthansa und DB AG
Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben