Die Leistungsfähigkeit erhalten und ausbauen
12.12.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Der zweigleisige Ausbau zwischen Dortmund und Münster begleitet die nordrhein-westfälische Eisenbahnpolitik wie ein Running Gag seit Urzeiten. Jetzt soll er also wirklich kommen, wobei es schon vor zehn oder zwölf Jahren im Zusammenhang mit dem Rhein-Ruhr-Express mal Planungen gab, damit man einen schnellen Regionalzug dort einsetzen kann. Nun geht es also wieder mal an ein konkretes Vorhaben und erneut heißt es: Wir brauchen das zweite Gleis.
Ja, das ist sogar richtig, es müsste eines der vordringlichsten Projekte zwischen Rhein und Weser sein, es ist sowohl im Bundes- als auch im Landesinteresse. Auf der Relation von Dortmund bis Münster befindet sich der längste im Regelbetrieb befahrene eingleisige SPFV-Abschnitt bundesweit. Nirgendwo sonst fahren deutsche Fernverkehrszüge auf einer so langen Strecke eingleisig. Man sieht aber an dieser Strecke auch, dass eingleisige Eisenbahnstrecken sehr wohl leistungsfähig sein können.
Zwischen Lünen und Münster gibt es vier Bahnhöfe, an denen sich Züge begegnen und überholen können. Es ist daher möglich, dass ein pünktlicher Regionalverkehrszug der Eurobahn in Münster losfährt und erst während der Fahrt vom verspäteten Fernverkehr überholt wird, aber dennoch ein Stück weiter den Gegenzug passieren kann. Wichtig ist daher, dass beim Ausbau dieser Strecke die bisherigen Bahnhöfen Amelsbüren, Davensberg, Ascheberg und Capelle (woher sich auch der Spitzname ADAC-Bahn ableitet) als Bahnhöfe mit Überholmöglichkeit erhalten bleiben und nicht zu reinen Haltepunkten zurückgebaut werden.
Insbesondere wenn sich dort demnächst neben der Regionalbahn und dem Fernverkehr auch eine beschleunigte RRX-Linie tummeln soll, die zwischen Dortmund und Münster wahrscheinlich nur in Lünen halten wird. Natürlich sind diese vielfach angekündigten Leistungsausweitungen alle auf mehreren Ebenen fraglich: Haben die Aufgabenträger in einigen Jahren genügend Budget, um im nennenswerten Umfang zusätzliche Eisenbahnleistungen zu bestellen? Werden die verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen in der Lage sein, zusätzliche Fahrten überhaupt durchzuführen?
Aktuell erleben wir überall Not- und Sonderfahrpläne, weil man eben nicht einmal in der Lage ist, die bestellten Soll-Leistungen zu erbringen. Diese Frage ist deshalb relevant, weil man bei einer anzufertigenden Kosten-Nutzen-Rechnung von einem gewissen Angebot auf der zu errichtenden Infrastruktur ausgeht und dieses muss gewährleistet werden.
Auf der anderen Seite muss man natürlich auch klar sagen, dass man die Chance einer solchen Verbesserung ergreifen muss, wenn die Möglichkeit besteht. Es ist im Straßenbau normaler Alltag, dass man Vorratsplanungen hat und das soll auch bei der Eisenbahn nicht anders sein. Wenn es also gelingt, diese Eisenbahnstrecke zweigleisig auszubauen und die bestehenden Bahnhöfe mit Überholmöglichkeiten zu erhalten, dann wird da am Ende des Tages eine gute Sache bei rauskommen – man schafft die Grundlage für eine deutliche Angebotsverbesserung, sobald diese möglich ist.
Siehe auch: Dortmund-Münster soll zweigleisig werden
Foto: eurobahn GmbH & Co. KG