Das war 2024!
20.12.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Vor 18 Jahren hatten wir eine Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland und diese stand im Mittelpunkt des ganzen Jahres, sie definiert mitsamt ihrem Sommermärchen bis heute das Jahr 2006. Wenn wir an 2024 denken, dann fällt es uns nach einigem Nachdenken vielleicht auch wieder ein, dass es ja im Sommer tatsächlich eine Fußball-Europameisterschaft in Deutschland gab.
Ein Turnier, das gezeichnet war von der schweren Eisenbahnkrise in Deutschland. Schmähgesänge der österreichischen Fans bleiben ebenso in Erinnerung wie Geschichten von Zuschauern, die zwar eigentlich mehrere Stunden vor dem Anpfiff am Stadion sein wollten, tatsächlich aber erst in der zweiten Halbzeit angekommen sind, weil der Schienenverkehr – anders als noch 2006 – in Deutschland einfach nicht mehr funktioniert.
Wir haben jetzt das Deutschlandticket, das zum 1. Januar teurer wird, aber gleichzeitig kämpft man sowohl bundesweit als auch unternehmensübergreifend mit Zugausfällen wegen Personalmangel, Notfahrpläne sind inzwischen die Regel in der Hoffnung, dass zumindest reduzierte Angebote sich irgendwie aufrecht erhalten lassen, weil vom Soll-Fahrplan schon lange keine Rede mehr ist.
Noch eine Sache ist in diesem Jahr aufgefallen: Das Narrativ, dass man die Fahrgastzahlen bis 2030 im Vergleich zu 2020 verdoppeln will, hat man heimlich still und leise fallengelassen – zurecht, denn wir können froh sein, wenn wir bis 2030 überhaupt wieder die Regelfahrpäne einhalten können.
Es gab auf der Riedbahn die erste mehrmonatige Vollsperrung für eine Generalsanierung, einige weitere wichtige Strecken sollen in den kommenden Jahren folgen. Man zieht einige Monate Ersatz- und Umleiterverkehre jahrelangen Teilsperrungen vor. Im großen und ganzen scheint das auch geklappt zu haben. Ob allerdings die vielen kleinen Baustellen, die wir im Netz haben, die mal ein Wochenende oder auch über die Osterferien gehen, in ihrer Masse so schnell fertig werden, ist eine andere Frage.
Auf jeden Fall erleben wir trotz des massiven Personalmangels auf der Schiene, dass DB Cargo Personal abbauen will, ja man ruft die Triebfahrzeugführer sogar offen dazu auf, zu kündigen. „Jeder, der geht, hilft“ heißt es in einem Aushang. Wo ist da der hochgelobte konzerninterne Arbeitsmarkt der DB AG, wieso gelingt es nicht, diese Leute kurzfristig bei DB Regio oder auch bei DB Fernverkehr unterzubringen, wo der Personalbedarf doch umso höher ist? Dieser konzerninterne Arbeitsmarkt ist nämlich für viele politische Akteure nicht nur der Hauptgrund, sondern der einzige Grund, diesen integrierten DB-Konzern zu befürworten. Hier wäre er gefragt und ausgerechnet jetzt scheint er nicht zu funktionieren.
Jetzt steht uns im neuen Jahr eine Bundestagswahl an, doch für die Schiene zählt Verlässlichkeit deutlich mehr als die Frage nach der politischen Großwetterlage. Es bleibt also spannend: Was wäre das Leben ohne die Eisenbahn, diese einmalige Einrichtung menschlichen Wahnsinns? Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch – am 9. Januar 2025 sind wir wieder für Sie da!
Foto: jorono