Alle Mobilfunkbetreiber einbeziehen
14.10.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Einer der größten Vorteile für die Eisenbahn ist, dass gerade Geschäftsreisende die Fahrtzeit auch als Arbeitszeit nutzen können: Zwischen Köln und Frankfurt oder Berlin und Hamburg stellt man den Laptop hin und guckt, dass man etwas weggearbeitet kriegt. Dazu braucht es nicht zwingend eine mobile Internetverbindung, aber im Zeitalter voranschreitender Digitalisierung ist das eben immer öfter notwendig. Wo es vor zehn oder zwölf Jahren den Surfstick gab, den man per USB in den Laptop gesteckt hat, kann man sich heute mit dem eigenen Smartphone einen Hotspot schalten oder gleich das mobile WLAN in den Zügen nutzen.
Natürlich sollte man in einem vollbesetzten ICE keine vertraulichen Geschäftsgespräche am Telefon führen, das eine oder andere kann man aber dennoch ganz gut klären und regeln. Man ist halt erreichbar, während man im Zug sitzt und nach Berlin, Stuttgart oder Düsseldorf fährt. Hierzu muss man sich aber darauf verlassen können, dass der Internetanschluss weitgehend ruckelfrei funktioniert, dass man nicht nach jedem Halbsatz getrennt wird und dass das Smartphone nicht über einen längeren Zeitraum in gar keiner Funkzelle eingeloggt ist, weil keine da ist.
Ja, das gibt es in Deutschland öfter als man denkt: Wenn jetzt jemand anruft, heißt es nur: Der Anrufer ist momentan nicht erreichbar. Ob er nun das Smartphone ausgeschaltet hat oder im völligen Funkloch ist, spielt am Ende keine Rolle, der Effekt ist der gleiche. In einem Hochleistungsland wie Deutschland muss man sich aber darauf verlassen können, dass die Digitalisierung nicht nur irgendwie von selbst vorangeht, sondern von verantwortlicher Stelle auch aktiv unterstützt wird.
Hier stellt sich schon die erste Frage, wieso die DB AG mit nur einem von mehreren Marktakteuren zusammenarbeitet. Natürlich sind die aus der Deutschen Bundesbahn hervorgegangene Deutsche Bahn AG und die aus der Deutschen Bundespost hervorgegangene Deutsche Telekom AG auch heute noch artverwandte Nachfolgeunternehmen einstiger Staatsmonopolisten, aber ein erheblicher Teil geht eben gerade nicht mit Telekom-Smartphones in die Züge, sondern es gibt mit 1&1, Telefónica und Vodafone noch drei weitere große Akteure auf dem deutschen Markt.
Gerade hier ist auch die Bundespolitik als Alleinaktionär der DB AG gefordert dafür Sorge zu tragen, dass es nicht nur die Zusammenarbeit mit einem Akteur gibt, sondern mit allen. Idealerweise investieren die vier Betreiber gemeinsam in neue Masten und in die Verbesserung von Bestandsanlagen, damit hier keine teuren Mehrfachstrukturen entstehen, die am Ende auch wieder durch den Kunden refinanziert werden müssten.
Gerade bei der Funkausleuchtung in Stadtbahntunneln ist es sehr wohl gelungen, mehrere Anbieter ins Boot zu holen, weil ja auch alle ein Interesse daran haben, sich für ihre Kunden gut aufzustellen. Aber das ist dann wirklich nichts mehr, was man mit dem DB-Konzern klären muss, hier ist die Politik im Interesse der Verbraucher gefragt. Es muss nachgebessert werden.
Siehe auch: Mobilfunkempfang im Zug verbessert
Foto: Deutsche Bahn AG / Claus Weber